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Traditionsbrüche

Neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr

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Edited By Tomislav Zelić

Fachleute aus den Bereichen der Germanistik und Komparatistik verfolgen in diesem Sammelband neue Forschungsansätze zu Hermann Bahr. Sie untersuchen Diskurse über Kaiserreich und Königtum, Krise und Kritik, Kairos und Katastrophe, Krieg und Kultur in den Essays und Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Tagebüchern, aber auch Romanen und anderen Schriften eines Hauptvertreters der Wiener Moderne. Es werden kulturtheoretische Fragen nach der Konstitution und Konstruktion von Identität und dem Zulassen von Differenz gestellt – sowie nach den Konversionen der Weltanschauungen, Ideologien und Religionen vom Provinzialismus und Kosmopolitismus über Nationalismus, Militarismus und Imperialismus zu Katholizismus und Antisemitismus, Austroslawismus, Austromarxismus und Austro-Europäertum.
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Krone, Krieg und kommunistische Krawalle. Vom schwierigen Übergang Jung-Wiener Autoren zur Demokratie

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Dass sich österreichische Autoren der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jhs. leicht für patriotische und oft chauvinistische Propaganda einspannen ließen, ist bekannt. Berüchtigt ist Hermann Bahrs Band Kriegssegen von 1915, der von Verherrlichung Österreichs und des gerechten und heldenhafter Bewährung dienenden Krieges nur so strotzt. Auch die mit der Kriegsbegeisterung eng verbundenen idealistisch-verqueren Ideen einer speziellen Mission Österreichs wurden bereits hinreichend kommentiert. Weniger bekannt sind aber die Probleme, die so gut wie alle Autoren mit dem Systemwechsel hin zur Demokratie in den Jahren 1918/1919 hatten. Die ersten beiden Aspekte sollen hier kurz, vor allem am Beispiel Bahrs und Hofmannsthals rekapituliert werden, der Schwerpunkt liegt aber auf den Kommentaren der beiden zur Demokratie sowie auf Schnitzlers Ängsten vor Unruhen, Pogromen und Kommunismus. Als Quellen werden zum Teil essayistische Äußerungen, vor allem aber Tagebuchaufzeichnungen verwendet.

Am Anfang von Hermann Bahrs Auseinandersetzung mit Systemwechsel und Demokratie stand die feste Überzeugung, sofern man diesen Begriff auf den notorischen „Verwandlungskünstler“, d.h. den unermüdlich aktiven und seine Meinung ständig revidierenden Publizisten, überhaupt anwenden darf, dass die österreichisch-ungarische Monarchie ein Modell für die Zukunft Europas darstellt. Als kritischer, aber letztlich doch unerschütterlicher und immer wieder ausgesprochen pathetischer Monarchist betont er die hier herrschende Gleichberechtigung der Völker, obwohl sich die ‚österreichischen Deutschen‘ als Staatsnation seines Erachtens am besten zum ‚Lenken‘ eignen. Die deutsche Nation ist dafür prädestiniert, weil sie „den anderen am besten zu dienen weiß, indem sie sich selber am...

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