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Das Berliner Osteuropa-Institut

Organisationsbiografie einer interdisziplinären Hochschuleinrichtung 1945–1976

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Ursula Stegelmann

Das Berliner Osteuropa-Institut wurde in den Jahren des Kalten Krieges gegründet. Beginnend mit den Gründerjahren zeichnet die Autorin entscheidende Phasen der Organisationsbiografie bis in die 1970er-Jahre nach. Als innovativ erweist sich die Verknüpfung des wissenssoziologischen Zugriffs mit einer organisationssoziologischen Perspektive. Das Buch basiert auf der Analyse zahlreicher Dokumente, wie Tonbandmitschnitten, Gutachten, wissenschaftlichen Abhandlungen, Briefen und Zeitungsartikeln sowie der Auswertung qualitativer Interviews. Als bedeutende Wissenschaftler der Osteuropaforschung werden Max Vasmer, Werner Philipp, Hans-Joachim Lieber und Karl Christian Thalheim behandelt.
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Vorwort

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Jede Erzählung hat einen Anlass. Der Grund mit dieser Arbeit zu beginnen war ein unverhoffter Fund. Vor wenigen Jahren fiel mir ein Aktenordner in die Hände, der mit Gründungsakte bezeichnet war. Diese Akte hatte der erste Verwaltungsleiter des Osteuropa-Instituts Dr. Georg Kennert angelegt. Dem Titelblatt war der folgende Hinweis beigefügt:

„Die Akte ist jenem zugeeignet, der einmal die Geschichte des Instituts schreibt.“3

Durch die Anordnung der Dokumente hat Georg Kennert eine geradlinige Argumentationskette zu den Hintergründen der Gründung des Instituts aufgebaut, deren Lesbarkeit ein implizites Vorverständnis der Ost(Europa)Forschung in den 1950er Jahren voraussetzt. Auf meine Recherchen zur Gründungsgeschichte und der ehemaligen Bedeutung des Instituts erhielt ich nur wenig befriedigende Antworten. Das in der Gründungsakte beschworene Organisationsziel eines multidisziplinären – später interdisziplinären – Instituts, war kein kollektives Anliegen mehr. Ganz im Gegenteil: Vorherrschendes Merkmal des Instituts war nun die Abschottung der Abteilungen untereinander und eine starke Vereinzelung der Institutsmitglieder. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Diese ersten Beobachtungen führten zur organisationssoziologischen Fragestellung meiner Arbeit.

Das Fallbeispiel des 1951 gegründeten Osteuropa-Instituts der Freien Universität dient einer näheren Bestimmung entscheidender Faktoren in der Entwicklung des Instituts. Dabei steht die Untersuchung der Kooperationsfähigkeit von Organisationsmitgliedern im Fokus, da davon ausgegangen wird, dass diese im Interdisziplinaritätsstil einer Organisation zum Ausdruck kommt. Die Zuordnung zu einem bestimmten Interdisziplinaritätsstil wird u. a. in Anlehnung an den theoretischen Ansatz der...

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