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Hugo von Hofmannsthals «Elektra»

Eine quellenbasierte Neuinterpretation

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Dorothée Treiber

In ihrem Buch setzt sich Dorothée Treiber kritisch mit der weitverbreiteten These auseinander, Hugo von Hofmannsthals Elektra leide an einer klinischen Hysterie. Der Autorin zufolge hält diese Behauptung einer eingehenden Analyse der Quellenlage nicht stand. Dagegen wird deutlich, daß Wien zur Jahrhundertwende von zwei spektakulären Kindesmißhandlungsskandalen erschüttert wurde. Daß diese auch in Hofmannsthals Theaterstück Spuren hinterlassen haben, soll hier gezeigt werden. Darüber hinaus wird deutlich, daß sich seine Bearbeitung nahtlos in die Tradition der Elektratragödien einfügt und Freuds Hysteriekonzeption alles andere als Vorbildcharakter hatte. Untersucht wird auch der Einfluss der Tagespresse sowie der Schriften Tardieus über Kindesmißhandlung und Mißbrauch.
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IV. Wintermärchen

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„entweder muß man gleich dem römischen Volk in seinen Gladiatorenspielen, gleich einem Nero, gleich einem Borgia das Entsetzliche zur Schönheit verklären, um zu vollem Lebensgenuß zu gelangen, oder man muß die Augen vor der Häßlichkeit und Grausamkeit geschlossen halten, muß das Schöne auslesen, damit es ästhetisch ‚auserlesen‘ werde und ungestörten Genuß ermögliche. Doch ob so, oder so, ob Bejahung der Grausamkeit, ob deren Verneinung, es geht, trotz der rationalistischen Forderung nach Überschminkung des Häßlichen, es geht um seine Hypertrophierung oder um seine Versüßlichung: es geht um Verleugnung hinter ‚Dekoration‘.“ (Hermann Broch, Hofmannsthal und seine Zeit, S. 7 f.)

Am 23. Dezember 1893, ein Tag vor Heiligabend, wurde in Weimar, unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss, Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel uraufgeführt, deren Libretto seine Schwester Adelheid Wette schrieb. Nicht nur in ihrer musikalischen Ausgestaltung lehnt sich Humperdincks Oper an Richard Wagners Kompositionstechnik an, bereits in der Titulierung des Librettos findet sich ein unübersehbarer Anklang an Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal, nannte Humperdincks Schwester ihr Werk doch „Ein Kinderstuben-Weihfestspiel“. Seit dem charakteristischen Datum seiner Uraufführung wurde und blieb die Oper, inhaltlich begünstigt durch Lebkuchenkinder und Lebkuchenhaus, eine Weihnachtsoper und wird seitdem in allen größeren Häusern regelmäßig zur Weihnachtszeit aufgeführt. Auch in dieser ritualisierten Wiederkehr der Aufführung manifestiert sich aufführungstechnisch eine Parallele zu Parsifal, dem außerhalb der Bayreuther Festspiele der Karfreitag als bevorzugter Aufführungstermin vorbehalten bleibt....

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