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Hugo von Hofmannsthals «Elektra»

Eine quellenbasierte Neuinterpretation

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Dorothée Treiber

In ihrem Buch setzt sich Dorothée Treiber kritisch mit der weitverbreiteten These auseinander, Hugo von Hofmannsthals Elektra leide an einer klinischen Hysterie. Der Autorin zufolge hält diese Behauptung einer eingehenden Analyse der Quellenlage nicht stand. Dagegen wird deutlich, daß Wien zur Jahrhundertwende von zwei spektakulären Kindesmißhandlungsskandalen erschüttert wurde. Daß diese auch in Hofmannsthals Theaterstück Spuren hinterlassen haben, soll hier gezeigt werden. Darüber hinaus wird deutlich, daß sich seine Bearbeitung nahtlos in die Tradition der Elektratragödien einfügt und Freuds Hysteriekonzeption alles andere als Vorbildcharakter hatte. Untersucht wird auch der Einfluss der Tagespresse sowie der Schriften Tardieus über Kindesmißhandlung und Mißbrauch.
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π. Michael Beer

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Michael Beers Klytemnestra, Trauerspiel in vier Abtheilungen wurde zum ersten Mal auf dem königlichen Theater zu Berlin, am 8. Dezember 1819 aufgeführt. Die Druckversion erscheint jedoch erst 1823. Das Stück folgt nicht der französischen Tradition. Seit Beer kommt nun ein neues Motiv hinzu, das anschließend von allen anderen bis hin zu Hofmannsthal aufgegriffen und zum Teil verschärft wurde: Ägisths brutales Machtstreben in Kombination mit einer zunehmenden Verachtung Klytaimnestras. Das einst harmonische Eheleben zwischen Ägisth und Klytaimnestra, aus dem bei Euripides der ausgeglichene und selbstsichere Charakter Klytaimnestras resultiert, hat sich in sein Gegenteil gekehrt, mit ebenso negativer Auswirkung auf Klytaimnestras Gemüt: sie wird labil, haltlos und depressiv: Vor allem ihre Mordtat an Agamemnon verliert dadurch jegliche ← 295 | 296 → Berechtigung. War diese Tat einst der Befreiungsschlag einer gedemütigten Frau, so erwirbt sie sich diese Berechtigung jetzt erst nach dem Mord durch ihren neuen Liebhaber, der seine Rolle als Nebenfigur nicht erträgt und zum alleinigen Herrscher avancieren möchte. Seine Frau wird ihm dabei nur lästig, zumal er sie keineswegs aus Liebe geheiratet hat, wie bei Beer sehr deutlich wird. Thematisiert werden zum ersten Mal auch Elektras Verhältnis zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, jedoch in anderer Gewichtung als bei Hofmannsthal:

„Mit schlangenhaar’gen, giftgeschwollnem Hauptblickt die Vergangenheit mich furchtbar an,die Gegenwart hält ach! In ehrnen Bandenmich eines leidenschweren Daseyns fest,die Zukunft ist mir gräßlicher als beide.“

Aegisth tritt auf und wird mit Heils- und Jubelrufen...

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