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Hugo von Hofmannsthals «Elektra»

Eine quellenbasierte Neuinterpretation

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Dorothée Treiber

In ihrem Buch setzt sich Dorothée Treiber kritisch mit der weitverbreiteten These auseinander, Hugo von Hofmannsthals Elektra leide an einer klinischen Hysterie. Der Autorin zufolge hält diese Behauptung einer eingehenden Analyse der Quellenlage nicht stand. Dagegen wird deutlich, daß Wien zur Jahrhundertwende von zwei spektakulären Kindesmißhandlungsskandalen erschüttert wurde. Daß diese auch in Hofmannsthals Theaterstück Spuren hinterlassen haben, soll hier gezeigt werden. Darüber hinaus wird deutlich, daß sich seine Bearbeitung nahtlos in die Tradition der Elektratragödien einfügt und Freuds Hysteriekonzeption alles andere als Vorbildcharakter hatte. Untersucht wird auch der Einfluss der Tagespresse sowie der Schriften Tardieus über Kindesmißhandlung und Mißbrauch.
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VII. Die Rückkehr zum Status quo

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In Deutschland kam sowohl die belletristische wie auch die fachwissenschaftliche Literatur mit sozialkritischen Fragestellungen während der NS-Diktatur nahezu zum Erliegen. In Amerika dagegen floß nun psychoanalytisches Gedankengut auch in Elektra-Bearbeitungen wie derjenigen von Eugene O’Neill mit ein. Sein 1946 entstandenes Theaterstück Trauer muß Elektra tragen basiert vor allem auf Freuds mittlerweile vehement verfochtenen Ödipustheorie, sowie den von C.G. Jung bei einer Vortragsreihe in Amerika vertretenen Thesen, worunter sich auch der von ihm kreierte, erstmals in den USA öffentlich vertretene Elektrakomplex befindet. So leidet dann auch O‘Neills Protagonistin, die ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater und ein ablehnendes Verhältnis zu ihrer Mutter aufweist, Nomen est Omen, an einem Elektra-Komplex. Dementsprechend muß sie bei O‘Neill auch keinerlei körperliche Mißhandlungen mehr erleiden, denn eine elterliche Feindseligkeit kommt in einer solchen, dem Elektrakomplex folgenden Konstellation nicht vor. Die Feindseligkeit geht nur noch von der Tochter aus und wendet sich gegen die Mutter, deren Schuld jedoch nur subjektiv von der Tochter wahrgenommen wird.

Dürrenmatt, Es geschah am hellichten Tag

Noch in Dürrenmatts Buch Das Versprechen ist es „nicht moralische Schuld, sondern die Tat eines geisteskranken Triebverbrechers“, welche „die Handlung dieses Romans ins Rollen“ bringt.1401 Bei den Berliner Filmfestspielen am 7. 8. 1958 wurde der Film Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle uraufgeführt.1402 Vorlage war eine Filmerzählung Friedrich Dürrenmatts, die er auf die Bitte des Filmproduzenten Lazar Wechsler schrieb. Dieser trat im Fr...

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