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Das Ornamentum der Galerie dʼUlysse von Fontainebleau im gesellschaftlichen Kontext

Phase I

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Barbara Schmachtenberg

François I er gilt als Hauptrepräsentant der Renaissancefürsten. Seine exzessive Bautätigkeit wurde, bezogen auf die erhaltenen Schlösser, kunsthistorisch intensiv bearbeitet. Die zerstörten Bauwerke, zu denen auch die Galerie d’Ulysse gehört, fanden in der deutschen Literatur dagegen bisher nur wenig Beachtung. Diese Untersuchung möchte das ändern. Sie analysiert – auf der Grundlage vorausgegangener französischer Forschungsarbeiten – das 1738 abgerissene Gebäude der Galerie und dessen erste Dekorationen (1537-1556). Da die Galerie keine repräsentativen Aufgaben zu erfüllen hatte, konnte Francesco Primaticcio den einzigartigen Freiraum, den aus Italien angeworbene Künstler während der Regierungszeit von François I er genossen, nutzen, um in Frankreich italienische Renaissancekunst ohne beeinträchtigende Herrscherpanegyrik zu schaffen.
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2. Hauptteil

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2.1. Das Ornamentum des Außengebäudes

2.1.1. Die Quellenlage

Die ‚Galerie d’Ulysse’ entstand als Bauwerk während der dritten Umbauphase des Schlosses, gleichzeitig mit dem angrenzenden ‚Pavillon des Poêles’ und den Kolonnaden an der ‚Cour Ovale’. Sie bestand aus einem Aufstockungstrakt über dem bereits bestehenden einstöckigen Arkadengebäude des Erdgeschosses. Für den Entscheid, eine weitere Galerie zu errichten, wird in der Fachliteratur seit der Mitte des 16. Jahrhunderts nach Gründen gesucht. Ein wirklicher Bedarf für einen solchen neuen Raum bestand nicht, da eine vielgerühmte Galerie, die später Galerie François Ier genannt wurde, bereits bestand. Jean Guillaume weist darauf hin, dass sie die Harmonie der Gesamtanlage sogar beeinträchtigte, da nach ihrer Errichtung ein zweistöckiger Gebäudekomplex auf der Südseite der ‚Cour basse’ nun einem einstöckigen auf der Nordseite gegenüberstand.45 Offensichtlich war der Wunsch nach einer zweiten Galerie beim Auftraggeber dennoch so groß, dass er diesen Nachteil in Kauf nahm, sei es, weil er ein zweites Raumkunstwerk in Fontainebleau schaffen lassen wollte, sei es, weil er trockenen Fußes über längere Strecken wandeln und sich geistig anregen lassen wollte (ambulacrum), sei es, weil ein Durchgang zum Garten benötigt wurde. Da die Galerie 1738 abgerissen wurde, scheint deren gedankliche Rekonstruktion nur mit Hilfe von zeitgenössischen bildlichen Darstellungen und Augenzeugenberichten möglich. Die frühesten Bildnachweise der Anlage sind 1579 oder kurz davor von Jacques Androuet Du Cerceau erstellt worden.46 Mit...

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