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Das Ornamentum der Galerie dʼUlysse von Fontainebleau im gesellschaftlichen Kontext

Phase I

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Barbara Schmachtenberg

François I er gilt als Hauptrepräsentant der Renaissancefürsten. Seine exzessive Bautätigkeit wurde, bezogen auf die erhaltenen Schlösser, kunsthistorisch intensiv bearbeitet. Die zerstörten Bauwerke, zu denen auch die Galerie d’Ulysse gehört, fanden in der deutschen Literatur dagegen bisher nur wenig Beachtung. Diese Untersuchung möchte das ändern. Sie analysiert – auf der Grundlage vorausgegangener französischer Forschungsarbeiten – das 1738 abgerissene Gebäude der Galerie und dessen erste Dekorationen (1537-1556). Da die Galerie keine repräsentativen Aufgaben zu erfüllen hatte, konnte Francesco Primaticcio den einzigartigen Freiraum, den aus Italien angeworbene Künstler während der Regierungszeit von François I er genossen, nutzen, um in Frankreich italienische Renaissancekunst ohne beeinträchtigende Herrscherpanegyrik zu schaffen.
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2.5.4. Die Nebenbilder des VIII. Kompartiments

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Die künstlerische Gestaltung des gesamten Bildprogramms ging – wie bereits dargestellt – von dem Kompartiment aus, das sich in etwa in der Mitte des Gewölbes befand.206 Dieses weicht in seiner formalen Struktur als einziges von dem Domus-Aurea-Prinzip der Kompartimentestrukturierung ab. Es enthielt neben dem ‚Rundbild’ zwei seitlich angefügte längsrechteckige Fresken von erstaunlicher Größe. Mariette gibt an, dass sie sich über das gesamte Gewölbe erstreckten.207 Demnach müssen sie bis zu zehn Meter lang gewesen sein. Père Dan be ← 106 | 107 → schreibt die Fresken als gleich groß.208 Schon von ihren Ausmaßen her waren sie mehr als Nebenbilder. Die Bildgrößen erklären vielleicht, warum die Vorzeichnung Primaticcios zum ‚Festin des Dieux’ aus zwei Teilen besteht. Dass es sich um zwei Teilzeichnungen ein und desselben Bildes handelt, kann man an der rechten Figur des linken Teilbildes erkennen, die fast identisch mit der linken auf dem rechten Teilbild ist.



Abb. 44 und 45: Primaticcio, Vorzeichnungen zum Festin des Dieux

Beim ‚Festin des Dieux’ (Göttermahl) ist wohl schon viel vergorener Nektar genossen worden, denn die linke Figur vor dem Tisch ist bereits volltrunken auf die friedlichen Panther des Vordergrunds gesunken. Es kann sich nur um Bacchus handeln, obwohl ihm seine Attribute – Weinlaub, Weinrebe, Weintrauben, Trinkschale – fehlen. Nur die neben ihm am Boden liegende leere Amphore und die Panther können zur Charakterisierung des Hingesunkenen herangezogen werden.

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