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Paul Gerhardts Kirchenlieder

Eine kognitiv-linguistische Studie

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Ryszard Ziaja

Ryszard Ziaja verweist in dem Band auf beachtliche empirische Möglichkeiten der kognitiven Metapherntheorie im Hinblick auf Kirchenliedtexte. An konkreten Beispielen verdeutlicht er die Leistungskraft sowie die analytischen Grenzen dieses Ansatzes hinsichtlich der gewählten religiös-historischen Textsorte. Die vom Autor vorgenommene Verknüpfung einer postmodernen Analysetheorie kognitiv-linguistischer Art mit der Kirchenliedschöpfung Paul Gerhardts hat ein Rekontextualisierungsmodell historischer Sakraltexte hervorgebracht. Aufgrund des interdisziplinären Charakters ist das Buch für Linguisten, wie für Theologen, Literatur- und Kulturwissenschaftler von Interesse.
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4 Paul Gerhardt – Person und Kirchenlieddichtung

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4PAUL GERHARDT – PERSON UND KIRCHENLIEDDICHTUNG

Das vorliegende Kapitel bezieht sich grundlegend auf die Person Paul Gerhardts. Vor der biographischen Darstellung des Autors wird ein historischer Abriss der Entstehung und Entwicklung des deutschen Kirchenliedes geschildert. Nachfolgend wird das Schaffen Gerhardts dargelegt. Zunächst werden bedeutsame Werkausgaben aufgezeigt, in denen Lieder des Dichters publiziert worden sind, um anschließend Johann Crügers Gesangbuch „Praxis pietatis melica“ 1674 – die Korpusgrundlage der Analyse zu charakterisieren.

4.1DAS DEUTSCHE KIRCHENLIED – HISTORISCHER HINTERGRUND BIS AUF PAUL GERHARDT25

Die Geschichte des deutschen Kirchenliedes ist auch zugleich die Geschichte der deutschen Kirchensprache allgemein. Seit dem Mittelalter galt Latein auf den damaligen deutschen Gebieten, ähnlich wie im ganzen Abendland, als die Sprache der Liturgie und der Geistlichen. Die Muttersprache wurde hauptsächlich während der Predigt und Beichte verwendet, um dem einfachen Volk Glaubensinhalte näherzubringen. Der damalige Kirchengesang beschränkte sich nur auf vorgeschriebene lateinische Hymnen und Psalmen, die ausschließlich von Geistlichen gesungen wurden. Die Gläubigen hatten zunächst eine passive musikalisch-liturgische Rolle, die sich vornehmlich auf das Schweigen bezog. Im Laufe der Jahre wurden den Laien einige Gesänge zugeteilt, aus denen vor allem das „Kyrie eleison“ eine sehr große Bedeutung erhielt – im Gottesdienst als Litanei-Teil, und außerhalb als Schlachtruf.

Die musikalische Ausgrenzung des Volkes innerhalb der Liturgie galt nicht außerhalb der Kirche. Während Wallfahrten, Bittgängen und anderer Feste hatte das Volk seinen Glauben in der Muttersprache zum Ausdruck gebracht. Zwischen dem IX...

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