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Myopische Steuerungsperspektive versus Nachhaltigkeitsorientierung: Einfluss auf den langfristigen Markterfolg

Eine empirische Analyse deutscher Unternehmen

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Frank Tiefenbeck

Einen wohl nicht ganz unwesentlichen Beitrag zur Finanzkrise von 2008 und deren Folgen leisteten kurzfristige Anreize für Manager, Gewinne zu realisieren, die die langfristigen Entwicklungen von Unternehmen beeinträchtigen. Ziel des Autors ist es, Impulse zur Gestaltung, ggf. auch verpflichtenden Gestaltung, von Unternehmensplanung und -controlling zu geben, um eine kontinuierliche nachhaltige Unternehmensentwicklung zu fördern. Dabei gilt es insbesondere zu prüfen, ob bestimmte Designs von Planung, Controlling und Nachhaltigkeitsorientierung, die eine übermäßige Kurzfristorientierung von Managern fördern oder verhindern, negativ bzw. positiv auf den langfristigen Markterfolg von Unternehmen wirken. Daraus wird ein Leitbild zur nachhaltigen Unternehmensplanung abgeleitet.
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A. Einführung

A. Einführung

1. Motivation und Executive Summary

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise von 2008 und deren immer noch anhaltenden Nachwirkungen1 sind eine zu starke Kurzfristorientierung und die Nichtbeachtung von langfristigen Auswirkungen bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen stark diskutiert und kritisiert worden. Diese Arbeit soll dazu beitragen, existierende Motivationen für Manager, kurzfristig-orientiert zu entscheiden und zu handeln, besser zu verstehen. Es gilt, organisationale Faktoren eines Unternehmens als Rahmen für die Kurz- oder Langfristorientierung von Managern und deren Einfluss auf langfristige Erfolgsparameter zu prüfen.

Dazu werden theoretische Zusammenhänge zwischen einer kurzfristigen / myopischen Steuerungsperspektive, (mangelnder) Nachhaltigkeitsorientierung sowie dem langfristigen Markterfolg von Unternehmen empirisch auf Basis eines Strukturgleichungsmodells unter Verwendung der Partial Least Square Methode (PLS) untersucht. Der verwendete Datensatz umfasst 172 Datensätze deutscher Unternehmen auf Basis einer fragebogengestützten Datenerhebung, die sich an die Leitung von Unternehmen bzw. Geschäftsbereichen bzw. der Controlling-/Finance-Funktionen sowie an Fachreferenten im Bereich von Controlling-/Finance-Funktionen wendet. Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum vom 23. Mai 2011 bis 15. August 2011. Zur Erhebung des Untersuchungsgegenstands werden im Rahmen der empirischen Untersuchung Merkmale einer Organisation festgestellt.

Das Strukturmodell verfolgt den Ansatz, die Wirkung von Management Myopie, der übermäßigen Kurzfristorientierung im Management von Unternehmen, modelliert durch eine Myopische Steuerungsperspektive2 von Unternehmen, in Verbindung mit der Ausprägung bzw. Nichtausprägung von Nachhaltigkeitsorientierung von Unternehmen auf den Langfristigen Markterfolg von Unternehmen in einem integrierten Modell zu prüfen. Die Myopische Steuerungsperspektive ← 1 | 2 → wird durch die Konstrukte Kurzfristorientierung der Unternehmensplanung und Ergebnisdruck beschrieben. Nachhaltigkeitsorientierung im weiteren Sinne umfasst die Konstrukte Nachhaltigkeitsorientierung, Strategische Konsistenz und Anpassungsfähigkeit. Die Konstrukte Strategische Konsistenz und Anpassungsfähigkeit beschreiben neben der direkten Wirkung von Nachhaltigkeitsorientierung eine indirekte Wirkung derselben auf den Langfristigen Markterfolg. Strategische Konsistenz versteht sich dabei als Verstärkung der Nachhaltigkeitsorientierung durch dazu konsistente Unternehmenskultur und Entscheidungen im Unternehmen. Anpassungsfähigkeit dient als Transmission der Wirkung von Strategischer Konsistenz auf den Langfristigen Markterfolg.

Mit Hilfe der empirischen Untersuchung konnten die Hypothesen in Bezug auf einen negativen Einfluss einer Kurzfristorientierung der Unternehmensplanung auf die Nachhaltigkeitsorientierung, die Strategische Konsistenz und den Langfristigen Markterfolg bestätigt werden. Der vermutete negative Einfluss von Ergebnisdruck auf den Langfristigen Markterfolg wurde nicht bestätigt. Ergebnisdruck besitzt entgegen der Hypothese einen schwach signifikanten positiven Einfluss auf den Langfristigen Markterfolg. Nachhaltigkeitsorientierung hat der Hypothese folgend über die Strategische Konsistenz und die Anpassungsfähigkeit einen indirekt positiven Einfluss auf den Langfristigen Markterfolg, hat jedoch entgegen der Hypothese keinen direkten positiv signifikanten Einfluss auf den Langfristigen Markterfolg.

Die Ergebnisse sind hinsichtlich verschiedener Kontrollvariablen, wie z. B. unternehmensexterner und -interner Dynamik oder der Verwendung marktorientierte Rechnungslegungsstandards (IFRS und US-GAAP) versus bestandswert orientierter Rechnungslegungsstandards (HGB) stabil. Die Verhinderung einer myopischen Steuerungsperspektive in Form einer Kurzfristorientierung der Unternehmensplanung lässt sich als dabei kritischer Erfolgsfaktor für einen Langfristigen Markterfolg eines Unternehmens identifizieren. Ergebnisdruck, Nachhaltigkeitsorientierung, Strategische Konsistenz in Verbindung mit Anpassungsfähigkeit stellen unterstützende Faktoren des Langfristigen Markterfolgs dar.

Ausgehend von diesen Ergebnissen wird ein praxisorientiertes Modell zur Unternehmensplanung abgeleitet. Das Modell umfasst die Dimensionen Steuerungsrelevanz, Transparenz, Flexibilität und Effizienz der Unternehmensplanung. Im Rahmen der vier Dimensionen werden praktische Impulse für das Management von Unternehmen zur Unterstützung einer Langfristorientierung der Unternehmensplanung und somit des Langfristigen Markterfolgs dargestellt. ← 2 | 3 →

2. Aufbau der Arbeit

Dem Einführungskapitel folgend werden in Kapitel B die theoretische Motivation und der Stand der Forschung auf Basis ausgewählter Literatur für die Themen Management Myopie und Nachhaltigkeit sowie im Hinblick auf die Betriebswirtschaft beschrieben. Dazu werden der theoretische Kontext der Themen Management Myopie und Nachhaltigkeit erläutert und betriebswirtschaftlich orientierte Ansätze zur Verhinderung von Management Myopie bzw. Ansätze zur Förderung von nachhaltigem Management dargestellt.

Kapitel C beschreibt ausgehend von den Limits der Forschung das integrative Forschungsdesign zur empirischen Untersuchung von Myopischer Steuerungsperspektive, Nachhaltigkeitsorientierung und Langfristigem Markterfolg von Unternehmen. Basierend auf dem entwickelten Strukturmodell werden die zu untersuchenden Hypothesen formuliert. Im weiteren Verlauf des Kapitels wird die Auswahl der statistischen Methodik erörtert sowie relevante Gütemaße für die gewählte Methodik (PLS) beschrieben.

Im Kapitel D erfolgt die Darstellung der Datenerhebung und der Evaluierung des Messmodells. Dazu werden der genutzte Fragenbogen beschrieben und die damit erhobenen Daten zunächst deskriptiv ausgewertet. Darauf aufbauend wird die Vorbereitung der Daten für die PLS-Modell-basierte Analyse behandelt. Insbesondere werden die Konstrukte des Messmodells dargelegt sowie auf Basis von statistischen Gütekriterien validiert.

Kapitel E umfasst die Analyse des Strukturmodells. Dazu werden die empirischen Ergebnisse im Rahmen des Strukturmodells hergeleitet und evaluiert. Die Robustheit der Analyseergebnisse wird für unterschiedliche unternehmensexterne und -interne Dynamiken sowie unterschiedliche Typen von Rechnungslegungsstandards geprüft. Am Ende des Kapitels werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritische versus unterstützende Erfolgsfaktoren für den langfristigen Markterfolg identifiziert.

In Kapitel F wird ausgehend vom kritischen Erfolgsfaktor der Verhinderung einer Kurzfristorientierung der Planung von Unternehmen ein praxisorientiertes Modell für die Unternehmensplanung entwickelt. Basierend auf den vier Dimensionen des Modells werden gestalterische Impulse für das Management von Unternehmen gegeben.

Die Ergebnisse der Arbeit werden in Kapitel G abschließend zusammengefasst, Limitationen der Untersuchung aufgezeigt sowie ergänzende und weiterführende Forschungsfragestellungen identifiziert. ← 3 | 4 →



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  1 Aktuelle Beispiele für die immer noch anhaltende intensive Diskussion der Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008 sind die breitgefächerten Darstellungen und Kommentierungen in der Presse und Politik zur Entscheidung der Europäischen Zentralbank von 05. Juni 2014, den Leitzins von 0,25% auf 0,15% zu senken sowie für die Einlage-Fazilität einen negativen Zins von -0,10% zu erheben.

  2 Für eine bessere Lesbarkeit werden im Folgenden die im Rahmen der empirischen Untersuchung verwendeten Konstrukt kursiv bzw. in Großschreibung gesetzt.