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Venedig als Bühne

Seine Theatralität in der Literatur

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Friederike Schlemmer

Der Theatralität Venedigs in der Literatur auf den Grund zu gehen, stellt das Ziel dieser Untersuchung dar. Dabei betrachtet die Autorin zuerst die theatrale Disposition der Lagunenstadt aus historischer Perspektive und geht anschließend auf das Phänomen der Theatralität anhand verschiedener Theorien ein. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen lässt sich demnach auf eine spezifisch venezianische Theatralität schließen, aufgrund derer sich Venedig als Bühne konstituiert. Inwiefern sich die geheimnisvolle und verfallende Lagunenstadt sowohl auf der topographischen als auch auf der semantischen Ebene als ein theatrales Faszinosum erweist, und wie sich dieses in der fiktionalen Literatur von der Romantik bis annähernd in die Gegenwart auswirkt, soll hierbei geklärt werden.
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II. Die Theatralität Venedigs im historischen Kontext

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II.  Die Theatralität Venedigs im historischen Kontext

Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die Theatralität in der fiktionalen Venedigliteratur, die sich, aufgrund ihres imaginären Gehalts, zugleich in theatraler Weise konstituiert. Inwiefern dies der Fall ist, lässt sich anhand der im Rahmen des Schwerpunktprogramms entwickelten Theatralitätstheorien, aber auch mit dem von Deleuze entworfenen, auf dem Prinzip der Wiederholung beruhenden Konzept der Maskenhaftigkeit im Vergleich mit der Position Simmels zur Maskenhaftigkeit Venedigs nachvollziehen.5 Da sich jedoch der Fokus dieser literarischen Untersuchung speziell auf die Theatralität Venedigs bezieht, muss hierbei noch ein weiterer wichtiger Aspekt bedacht werden, welcher in der Forschung implizit zwar meist vorausgesetzt wird, jedoch erst von Corbineau-Hoffmann in ihrer umfangreichen Abhandlung Paradoxie der Fiktion in seinen auswirkenden Konsequenzen konkret untersucht wurde.6 Dabei beruft sich die Autorin auf ein für die Lagunenstadt äußerst einschneidendes, historisches Ereignis des Jahres 1797, welches das endgültige Ende der Republik Venedig markierte, als Napoleon diese mit seinen Truppen besetzte.7 Die über tausend Jahre währende Herrschaft der ehrwürdigen Serenissima gehörte damit für immer der Vergangenheit an.8 Jedoch bedeutete das tragische Ende der einstmals mächtigen Republik für die fiktionale Venedigliteratur eine „Initialzündung“, indem die nun größtenteils verlassene und allmählich verfallende Stadt in einzigartiger ← 25 | 26 → Weise imaginäre und somit auch theatrale Räume eröffnete, wie dies zu Zeiten der Republik gar nicht möglich gewesen wäre.9

Corbineau-Hoffmann begründet dies damit, dass „die...

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