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Venedig als Bühne

Seine Theatralität in der Literatur

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Friederike Schlemmer

Der Theatralität Venedigs in der Literatur auf den Grund zu gehen, stellt das Ziel dieser Untersuchung dar. Dabei betrachtet die Autorin zuerst die theatrale Disposition der Lagunenstadt aus historischer Perspektive und geht anschließend auf das Phänomen der Theatralität anhand verschiedener Theorien ein. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen lässt sich demnach auf eine spezifisch venezianische Theatralität schließen, aufgrund derer sich Venedig als Bühne konstituiert. Inwiefern sich die geheimnisvolle und verfallende Lagunenstadt sowohl auf der topographischen als auch auf der semantischen Ebene als ein theatrales Faszinosum erweist, und wie sich dieses in der fiktionalen Literatur von der Romantik bis annähernd in die Gegenwart auswirkt, soll hierbei geklärt werden.
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IV. Inhaltlicher Teil

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IV. Inhaltlicher Teil

Seit dem Fall der Republik Venedig im Jahre 1797 entwickelte sich die Stadt zu einem poetisch relevanten Subjekt. Dabei ist es gerade die Verlassenheit der dem Verfall preisgegebenen Stadt, welche bereits die Dichter der Romantik inspirierte. Venedig wurde so zu einem Symbol für Tod und Untergang und entwickelte eben darin seinen speziellen Reiz und seine Anziehungskraft. Inwiefern die Stadt, seit dem Ende der Republik und gerade angesichts ihres fortschreitenden Verfalls, imaginäre, von Theatralität bestimmte Räume eröffnete, gibt Ernst Bertram in seiner folgenden Beschreibung unwillkürlich wieder.

Der zauberisch verführenden Tristan-Zweideutigkeit Venedigs, einer metaphysischen Zweideutigkeit aus äußerster Todesnähe und letzter Lebenssüße gemischt – dieser maskenhaften Schönheit Venedigs sind von je alle Naturen erlegen, die gleich Byron, gleich Nietzsche, eines tragisch unheilbaren Dualismus in der Uranlage ihres Wesens sich dunkel bewusst waren und die in dem Wunder der Lagunen einem halb bestürzenden, halb beglückenden Doppelgängersinnbild des eigenen Daseins begegneten – man denkt aus der deutschen Reihe an Platens venezianische Sonette, (…) oder an Thomas Manns Tod in Venedig – alles Naturen, welche die Schönheit nicht nur, mit Platon, zum höchsten Leben verführt, sondern denen sie zugleich, geheimnisvoll zugleich eine Verführung zum Tod bedeuten muss.496

In einem Brief, den Mann im Jahre 1916 an Paul Amann schrieb, äußert dieser sich über den Zauber Venedigs, dessen morgenländischer Charakter ihn faszinierte: „Venedig ist immer noch das Exzentrischste und Exotischste, was ich...

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