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Konstruktivismus im Literaturunterricht

Grundlagen und Unterrichtsbeispiele für die Sekundarstufen I und II

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Markus Schwahl

Das Buch beleuchtet die vielfältigen pädagogischen, didaktischen und methodischen Aspekte eines konstruktivistisch begründeten Literaturunterrichts. «Klassische» konstruktivistische Themen wie die Handlungs- und Produktionsorientierung und die Binnendifferenzierung unterzieht der Autor einer kritischen Überprüfung und entwickelt sie theoriekonform weiter. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Vereinbarkeit konstruktivistischer Lernarrangements mit kompetenzorientierten Unterrichtsmodellen. Der umfangreiche Praxisteil zeigt, wie konstruktivistische Elemente auf inhaltlicher und prozessualer Ebene in den Literaturunterricht der Sekundarstufen integriert werden können.
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I. Grundlagen

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1Selbstbezüglichkeit als philosophisches und pädagogisches Prinzip

Der isolierte Beobachter

Ausgangspunkt allen konstruktivistischen Denkens ist die Überzeugung, dass kein menschlicher Beobachter eine Aussage über die Wirklichkeit treffen kann, ohne zugleich und zuvörderst etwas über sich selbst als Betrachter, über das eigene Erkenntnissystem und die kognitiven, volitionalen und emotionalen Bedingungen zu sagen, denen es unterliegt. Die Selbstbezüglichkeit menschlichen Wahrnehmens und Tuns durchzieht sämtliche Lebensbereiche: von der Alltagswahrnehmung und -­kommunikation über wissenschaftliche Diskurse bis hin zu ästhetischen, beispielsweise literarischen Wahrnehmungsvorgängen. Ihre Ursache hat die operationale Zirkularität menschlicher Erkenntnisprozesse in der neurobiologischen Isolation des Gehirns, die wiederum aus der physiologisch notwendigen Umwandlung physikalischer und chemischer Außenweltreize in lesbare Nervenimpulse resultiert. Erst nach dieser neuronalen Kodierung können Sinnesempfindungen als solche wahrgenommen werden. Und die grammatikalischen Regeln für diese Übersetzungstätigkeit des Gehirns stammen nicht aus der Außenwelt, sondern werden systemintern entworfen:

Das Lebewesen misst offenbar durch die relative Aktivität seiner Zellen den physikalischen Parametern erst Sinn zu und scheint durch ihre Organisation erst den Kontext zu definieren, mit Bezug auf welchen die angetroffenen physikalischen Parameter Bedeutung erlangen. Das Auge/Gehirn bedarf also keines Zugangs zu objektiven Eigenschaften. (Ackermann 1998: 23)

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