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Interpassives Mittelalter?

Interpassivität in mediävistischer Diskussion

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Edited By Silvan Wagner

In diesem Band wird zum ersten Mal innerhalb der Mediävistik versucht, das vom Konzept des performative turn geprägte Bild vom interaktiven Mittelalter zu hinterfragen. Ausgangspunkt ist Robert Pfallers Entwurf eines interpassiven Aktionsmodus: Das Mittelalter wird hierbei eben nicht als interaktive Kultur gesehen, die politisch, religiös und literarisch von performativ-interaktiven Gruppenphänomenen gekennzeichnet ist. Vielmehr können Menschen, statt selbst zu agieren, Interaktion offenbar auch an andere delegieren, haben dabei aber dennoch in gewisser Weise Teil an dieser Interaktion. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Germanistik, Geschichtswissenschaft und Theologie untersuchen in den Beiträgen dieses Bandes, welche Konsequenzen sich daraus für das Bild vom interaktiven Mittelalter ergeben. Sie spiegeln die Ergebnisse einer interdisziplinären Fachtagung zum Thema «Interpassivität und Mediävistik» wider.
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Interpassivität und die Anrufung des Subjekts – Kunst, Geschichte und Gewalt im Videospiel Assassin‘s Creed

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0. Vorbemerkungen

Videospiele gelten aus gutem Grund als Musterbeispiele für interaktive Kunst. Ohne das aktive Eingreifen des Spielers passiert in einem Spiel schließlich so gut wie nichts, und die Art seines Eingreifens ist für den Spielverlauf entscheidend. Dem Videospiel seine Interaktivität abzusprechen wäre also ein sinnloses Unterfangen. Mir scheint jedoch, dass Interaktivität Videospiele nur teilweise und keineswegs ausreichend beschreibt. Dabei muss ich allerdings eine Einschränkung vornehmen, denn mir geht es im Folgenden nur um eine spezifische Gruppe von Spielen, die ich erzählende Videospiele nennen möchte. Alle Arten von Geschicklichkeitsspielen wie das bekannte Tetris interessieren mich in diesem Zusammenhang also nicht, auch Strategie- und Aufbauspiele scheinen mir da weniger interessant zu sein.1 Was ich mit einem erzählenden Spiel meine, lässt sich vielleicht am einfachsten mit einer kurzen Vorstellung des Spieles erklären, auf das ich mich im Folgenden beziehen werde.

Es handelt sich dabei um die Videospielreihe Assassin‘s Creed, in der man seine Avatare durch eine wilde Verschwörungsgeschichte navigiert. Der erste Teil der Reihe beginnt, wie der Titel nahelegt, im Mittelalter, genauer gesagt während der Kreuzzüge im Heiligen Land. Jenseits der sichtbaren politischen Kämpfe zwischen Christen und Sarazenen tobt ein unsichtbarer Kampf zwischen Assassinen, die im Spiel die Guten und den Templern, welche die Bösen sind. In dieser Verschwörungsgeschichte, deren Details hier nichts zur Sache beitragen,2 geht es letztlich, natürlich, um nichts Geringeres als die...

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