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Verdinglichung und Subjektivierung

Versuch einer Reaktualisierung der kritischen Theorie

János Weiss

Georg Lukács hat Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts die damalige Krise und das Krisengefühl nach dem ersten Weltkrieg mit dem Begriff der Verdinglichung zu erfassen versucht. Davon ist die Tradition der kritischen Gesellschaftstheorie ausgegangen. Dieses Werk hat zwei Ziele: einerseits soll gezeigt werden, dass dieser Begriff heute durch die Subjektivierung ergänzt werden muss, andererseits soll die These untermauert werden, dass diese Ergänzung in Ansätzen schon einige Vertreter der Frankfurter Schule vorgenommen haben.
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Lukács‘ Theorie der Verdinglichung

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Lukács’ Theorie der Verdinglichung

Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts hat Georg Lukács den marxschen Begriff der „Verdinglichung“ zu aktualisieren versucht: „Das Wesen der Warenstruktur ist bereits oft hervorgehoben worden, es beruht darauf, dass ein Verhältnis, eine Beziehung zwischen Personen den Charakter einer Dinghaftigkeit und auf diese Weise eine »gespenstige Gegenständlichkeit« erhält, die in ihrer strengen, scheinbar völlig geschlossenen und rationellen Eigengesetzlichkeit jede Spur ihres Grundwesens, der Beziehung zwischen Menschen verdeckt.“12 Soviel ist auf den ersten Blick klar, dass das „Wesen der Warenstruktur“ in der Dinghaftigkeit bestehen soll; aber diese Dinghaftigkeit wird anders beschrieben, als man das nach dem marxschen Ding-Begriff erwartet hätte. Lukács stützt sich nicht auf die Gesamttheorie der marxschen Verdinglichung, sondern auf ein Kapitel des Kapitals, das den Titel trägt: „Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“. Dieses Kapitel erscheint nur in der zweiten Auflage des ersten Bandes des Kapitals; in ihm wird der Begriff „gespenstige Gegenständlichkeit“ eingeführt. Wenn man eine Stelle aus dem dritten Band des Kapitals berücksichtigt, kann man diesen merkwürdigen Begriff gut erklären. Hier schreibt Marx: „Im zinstragenden Kapital ist […] dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr.“13 Lukács selbst hat seine Analyse als eine orthodoxe Marxrekonstruktion darzustellen versucht, die traditionellerweise auch als solche akzeptiert wurde. Erst Axel Honneth hat diese Selbstdeutung in ihre Schranken verwiesen:...

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