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Randzonen des Willens

Anthropologische und ethische Probleme von Entscheidungen in Grenzsituationen

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Edited By Thorsten Moos, Christoph Rehmann-Sutter and Christina Schües

Der Band untersucht anthropologische, psychologische, rechtliche und ethische Probleme des Willenskonzepts. Die Medizin führt Menschen in Grenzsituationen, in denen «ihr Wille» in vielerlei Hinsichten problematisch wird: Kinder sollen in die Durchführung medizinischer Maßnahmen einwilligen; Menschen mit Demenz können sich zu Therapien manchmal nicht mehr klar äußern; potentielle Teilnehmende einer klinischen Studie sind durch deren Komplexität überfordert, sollen aber zustimmen. Der Band fokussiert bewusst Randzonen, in denen nicht klar ist, was ein Wille ist und ob eine Willensäußerung vorliegt. An diesen Randbereichen wird besser als in thematischen Kernzonen sichtbar, was Idee und Praxis des Willens leisten und was sie verdecken. Daraus ergeben sich neue Fragen zur Problematik des Entscheidens und der Einwilligung in Grenzsituationen.
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B) Willensäußerungen dementiell Erkrankter

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II. Entscheidungskonstellationen

B) Willensäußerungen dementiell Erkrankter

Wenn Menschen neuropsychiatrisch und somatisch erkrankt sind, ist oft auch ihre Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen und ihren Willen zu äußern, eingeschränkt. Man beobachtet dann häufig eine Fluktuation oder Ambivalenz in der Willensbildung; auch die Kommunikation scheint oft eingeschränkt oder schwierig. Was gewollt wird, ist nicht einfach herauszufinden. Dennoch bleibt das Anliegen, im Sinne einer Person zu entscheiden. Die Würde der Menschen soll gewahrt und respektiert werden, und dieser Respekt äußert sich auch in der Achtung des Willens einer Person. In der medizinischen Praxis und ihren bisweilen existentiellen Entscheidungen über lebenserhaltende Maßnahmen kommt es besonders auf den Willen einer Patientin oder eines Patienten an. Wann aber kann wirklich geurteilt werden, dass eine Person nicht mehr weiterleben und sogar sterben will? Reicht eine Patientenverfügung und damit der Verweis darauf, dass eine Person zu Lebzeiten und im Zustand der Entscheidungskompetenz und Einwilligungsfähigkeit verfügt hat, sie wolle im Falle der Demenz nicht mehr weiterleben? Worauf deutet das Verhalten der Nahrungsablehnung hin? Kann Verhalten als Willensäußerung verstanden werden? Im Folgenden werden zwei Fälle vorgestellt, zu denen diese zentralen Fragen gestellt und diskutiert werden können. Nach der Vorstellung der Fälle aus der Praxis werden der Bioethiker Christoph Rehmann-Sutter, die Philosophin Theda Rehbock und der Jurist Adrian Schmidt-Recla diese Fälle jeweils kommentieren. Die auf der Tagung im Anschluss stattgefundene Diskussion fasst Christina Schües zusammen.