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Zwischen Kreativität und Traditionsbewusstsein. Jean Sibelius’ Kammermusik vom Frühwerk zu «Voces intimae»

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Jorma Daniel Lünenbürger

Der Autor befasst sich mit der Kammermusik des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Bevor dieser für seine Orchesterwerke berühmt wurde, schrieb er fast ausschließlich für kleinere Besetzungen. In späteren Jahren gab es hingegen nur noch einzelne Kompositionen. Eingebettet in den biographischen Kontext bildet die Analyse von sieben zyklischen Kammermusikwerken den Schwerpunkt des Buches. Neben den Gattungen Klaviertrio, Violinsonate und Klavierquintett steht dabei das Streichquartett an zentraler Stelle. Auf drei frühe Werke folgt Sibelius’ op. 56 mit dem vielsagenden Untertitel Voces intimae. Damit lieferte er einen bedeutenden Beitrag zur Gattungsgeschichte, der an der Schwelle zur Moderne zu neuen und innovativen Lösungen findet. Gerade durch seine kompositorische Kreativität entwickelte Sibelius ein immer differenzierteres Traditionsbewusstsein.
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III Voces Intimae (1909): Das Hauptwerk

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1. Allgemeines

Das Streichquartett in d-moll op. 56, das den Untertitel Voces intimae trägt, ist das bedeutendste Kammermusikwerk von Jean Sibelius und zugleich das einzige, das zu seinen Lebzeiten gedruckt und in vielen Ländern aufgeführt wurde. Über Jahrzehnte wurde es in der Sibelius-Literatur – zumindest außerhalb Finnlands – als sein einziges Streichquartett angesehen. Es steht in seiner Entstehungszeit isoliert zwischen bedeutenden Orchesterwerken und kleiner besetzten Stücken wie Liedern und Klavierwerken. In der Betrachtung des gesamten Œuvres wird jedoch deutlich, dass es die Krönung des gesamten kammermusikalischen Schaffens ist. Dabei war sich Sibelius seines früheren Kammermusikœuvres durchaus bewusst, weil einige frühe Werke zur Zeit der Entstehung von Voces intimae noch eine Opuszahl hatten. Um die Entstehungsumstände genauer einordnen zu können, wird zunächst anhand von ausgewählten Fakten der Kontext von Sibelius’ Leben und Werk dargestellt, der sich gegenüber den frühen Kammermusikwerken deutlich gewandelt hatte. Die konkrete Entstehung und die ersten Aufführungen des Werkes werden im Weiteren dargestellt. Schließlich wird ein Blick auf die Literatur zu Voces intimae geworfen. Dieses Werk war schon früh Gegenstand der Sibelius-Forschung und ist gerade in letzter Zeit wieder aktuell. Die genaue Untersuchung dieser Aspekte dient als Grundlage zur gründlichen Analyse im zweiten Teil dieses Kapitels.

a) Neuer Kontext von Sibelius’ Leben und Werk

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