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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.
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2.4 Resümee

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Globenschnitte

Das neben dem Atlas zweite erst explizit durch dem Buchdruck entstandene und in Europa weit verbreitete kartographische Medium sind gedruckte Globensegmente. Auch sphärische Zweiecke – auch Kugelzweiecke, Globenschnitte oder im Englischen ‚gores‘ genannt – spielten sie für die frühneuzeitliche Form des Globus und den Erfolg von Globenmachern wie der Blaeu-Familie eine entscheidende Rolle. Globen selbst sind keine spezifisch frühneuzeitliche kartographische Form.417 Sie wurden seit der Antike aus Materialien wie Stein, Bronze oder Holz gefertigt. Ein Erdglobus besitzt gegenüber einer geographischen Karte den Vorteil, dass er gleichzeitig und in einem viel höherem Maße form-, flächen-, winkel- und längentreu ist. Der älteste erhaltene Himmelsglobus ist Teil der Marmorskulptur des Farnese-Atlas’, in welchem interessanterweise die kartographischen Formen Atlas und Himmelsglobus zusammentreffen. Diese 1575 in Rom entdeckte, wahrscheinlich aus dem 2. Jahrhundert stammende römische Kopie einer griechischen Ursprungsstatue zeigt den Titan Atlas, wie er das Himmelsgewölbe in Form eines Himmelsglobus trägt.418 ← 150 | 151 → Es ist möglicherweise dessen externe Projektion, welche von frühneuzeitlichen Globenmachern übernommen wurde.

Der Nürnberger Johannes Schöner (1477–1547) war der bedeutendste europäische Globenmacher des 16. Jahrhunderts und entwickelte viele Darstellungsmechanismen, welche als kartographische Konventionen bis heute nachwirken. Insbesondere die Produktion von Globenpaaren – Himmelsglobus und Erdglobus – in gleichem Stil und als zusammengehörige Position geht auf Schöner zurück. Seine Heimatstadt war zudem beginnend mit seiner Werkstadt eines der wichtigsten Zentren der Globenproduktion, vergleichbar nur mit Amsterdam. Viele bedeutende frühneuzeitliche...

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