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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.
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4 Zusammenfassung, Schlussbetrachtungen und Ausblick

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4    Zusammenfassung, Schlussbetrachtungen und Ausblick

Frühneuzeitliches kartographisch präsentiertes, verhandeltes und geordnetes Himmelswissen ist ein Wissen der Inszenierung. Zu Beginn dieser Arbeit als Raumwissen definiert, ist es ein Wissen, welches von in ihrem Charakter ephemeren, theatralen Wissensräumen hervorgebracht wird und umgekehrt zu deren Spezifik beiträgt. Als Wissen über den Himmel oder durch die Beschäftigung mit dem Himmel generiertes Wissen zeigt es seine Signifikanz historisch spezifisch, medial gebunden und als in erster Linie visuell erfahrbar. Die Konzentration auf durch theatrale Mechanismen beschreibbare Abbildungs- und Darstellungsformen frühneuzeitlicher Himmelskarten in den vergangenen Kapiteln ist dabei keineswegs als Behauptung eines Kausalzusammenhangs zwischen einer zunehmenden Problematisierung kartographischer Darstellungsformen einerseits und einer gesteigerten Inszenierungskraft andererseits zu verstehen. Doch als Beschreibung der Korrelation beider Phänomene konnte dieser Ansatz aufzeigen, dass solch ein Blickwinkel einer performativ orientierten Wissenschaftsgeschichte besondere Aufmerksamkeit verdient. Erst durch die aufgezeigten Beziehungsgefüge konnte bewiesen werden, dass das sogenannte Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie nicht mit einer verbesserten Darstellbarkeit von Himmelsräumen oder Himmelswissen einhergeht, sondern dass, ganz im Gegenteil, spezielle mediale Strategien genutzt wurden, um die kartographische Darstellbarkeit der neuen, multiplen Himmels- und Wissensräume in einem historischen Übergangszeitraum überhaupt gewährleisten zu können.

Rekapitulation

Die Kontextuierung des historischen kartographischen Quellenmaterials in Kapitel 2 hat aufgezeigt, inwiefern grundlegende Veränderungen von Darstellungsgegenstand (Kapitel 2.1), Darstellungsraum (Kapitel 2.3) und Wahrnehmungskonventionen und -kultur (Kapitel 2.2) himmelskartographische Konventionen im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts unterlaufen und deren Anwendbarkeit in Frage gestellt haben. Der...

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