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Lokalisierbarkeit von User-Interface-Strings

Übersetzerische Aspekte der Internationalisierung und Lokalisierung von Software, untersucht anhand der Übersetzungsrichtungen Englisch–Deutsch und Englisch–Russisch

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Alexander Behrens

Der Autor erforscht Gründe für das Entstehen sprachlicher Defekte in lokalisierten Oberflächen von Computerprogrammen. Dabei geht es nicht um Defizite in der Sprachkompetenz des Übersetzers, sondern um erzwungene Normverstöße, die dann entstehen, wenn der Übersetzer die Kontrolle über das Translat verliert. Der Fokus liegt deswegen auf dem technologischen und sozioökonomischen Kontext der Lokalisierungsleistung. Die Analyse zeigt, warum und wie die digitale Revolution das übersetzerische Berufsbild verändern wird. Das Buch bietet neue Überlegungen zur Zukunft des Übersetzens und zur Ausbildung von Übersetzern.
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6. Lokalisierbarkeit von User-Interface-Strings

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6.    Lokalisierbarkeit von User-Interface-Strings

In Abschnitt 3.3.5 (S. 60 f.) wurde vorgeschlagen, auf eine begriffliche Abgrenzung von Übersetzen vs. Lokalisieren wie in Göpferich (2002:335 f.) geschehen zu verzichten; so liegt es nahe, den Begriff der Lokalisierbarkeit vom Begriff der Übersetzbarkeit abzuleiten. Tatsächlich aber wird Übersetzbarkeit in der übersetzungswissenschaftlichen Literatur mit dem gleichgesetzt, was (Neubert 1975:5) Informationsübertragbarkeit nennt; Koller (2004:189) verweist auf Jakobson (1959), später auch Bloomfeld (1984), die von Ausdrückbarkeit sprechen. Damit ist der Begriff der Übersetzbarkeit, wie er von Schreiber (1993:43 f.) ausführlich behandelt wird, auch ein sprachphilosophischer, der dem Spannungsfeld aus sprachlicher Relativität und Universalität (hier als Wesensmerkmal des Universalismus) entspringt oder, wie Koller (2011:187) es formuliert, aus der Unter und Überbewertung von Sprache. Da digitale Benutzerschnittstellen idealerweise internationalisiert und zumindest nichtkünstlerische UI-Texte stark konventionalisiert sind, kann im Bereich der Softwarelokalisierung von einem hohen Universalitätsgrad (hier in der auf S. 44 genannten Wortbedeutung) und ebenso idealerweise von Konnotationsfreiheit der Oberflächentexte ausgegangen werden. Nach Koller (2004:189) sind (nichtkünstlerische) UI-Texte damit uneingeschränkt übersetzbar.

Eine solche generelle Übersetzbarkeit voraussetzend, sei mit dem Terminus Lokalisierbarkeit hier ein Vorliegen solcher Bedingungen gemeint, die der Übersetzer vorfinden muss, damit er die linguistische Wohlgeformtheit des zielsprachlichen Gesamtausdrucks sicherstellen kann. Dies sind namentlich die folgenden:

1.    Der Ressourcenstring bildet eine Sinneinheit bzw. eine syntagmatische Einheit. Das Verketten von Teilstrings unterhalb der Syntagma-Ebene wird vermieden. Bei Bedarf werden Platzhalter verwendet. Einzuräumen...

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