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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Edited By Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.
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ECHO: lauter widerständige Entwürfe. Künstlerische Praktiken von Korrespondenz und Transfer

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Nichts | wird stattgefunden haben | außer | vielleicht | eine Konstellation (Stéphane Mallarmé, 1897)1

Hinweis | Im Französischen werden die Wörter tableau [Bild] und bateau [Schiff] in ähnlichen Klängen ausgesprochen. Wenn man die Wörter öfters hintereinander aufsagt, wird es nicht ausbleiben, dass man sich hier und da verhaspelt, das eine durch das andere ersetzt. Also können wir uns genauso gut über das neueste Schiff wie über das neueste Bild verbreiten. (Marcel Broodthaers, 1973)2

Entwurf 1: (Ent-)Sendung, Verkettungen

Am 27.08.1901 schickt Marie, vermutlich von einer Reise ans Meer, eine Postkarte an ihre kleine Schwester. Ein Schiff in stürmischer See ist auf der Vorderseite zu sehen, rechts am Horizont schemenhaft ein Leuchtturm. Unter dem Bild sind einige von Hand geschriebene Zeilen: »[D]ies hier gibt dir eine Vorstellung davon, wie das Meer aussieht, wenn es stürmt«3. Ein erstes intermediales Echo findet diese Ansicht(skarte) 1972 als tragendes Motiv in Filmen sowie als gedruckter Negativabzug und spiegelt sich in Wort und Zeichnung wi(e)der (Chère petite soeur (La Tempête) Marcel Broodthaers, BEL 1972) (vgl. Abb. 1). Eine erneute Welle an Zitationen setzt etwa 30 Jahre später ein: 2002 wird das Motiv mit unverändertem Titel ins Makroskopische transferiert: als Kreidezeichnung auf zwei großformatige Schiefertafeln (Tacita Dean), 2006 ins Extrem verkleinert als Diapositiv reproduziert (Olivier Foulon), 2009 mit einer An-Sammlung von mehr ← 201 | 202 → als 300 Postkarten verwandter Motive unter dem verbindenden...

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