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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Edited By Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.
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Das doppelte Echo Guglielmos oder Meyerholds Rückruf

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In der russischen Neuauflage der Querelle des anciens et modernes der 1910er und 1920er Jahre nahm Vsevolod E. Meyerhold eine Vermittlerposition ein: Strebte er doch, obgleich in den heftigen Debatten einmal zu den Avantgardisten, einmal zu den Traditionalisten gezählt, ein »neues altes Theater« an. Theaterkunst im 20. Jahrhundert – für Meyerhold hieß das, den Schauspieler-Artisten wieder und neu zu gewinnen. Unmittelbar damit verbunden und Voraussetzung dafür war die Suche nach dem Zugang zu praktischem Erfahrungswissen, zu einem Wissen, das im Prozess der »Reduktion auf Kunst« (réduction en art1), akzentuiert einsetzend im 15. Jahrhundert, abgesunken war – ein Praxis-Wissen im Sinne kunstvollen Vertrautseins mit dem Material, also der physis des Akteurs. Darin bestand das Grundanliegen Meyerholds, das er während seines rund vierzigjährigen Tätigseins verfolgte.

Seit 1905 suchte er die »Natur der Theaterkunst« zu entschlüsseln, durch praktische Experimente und das Studium der Historie: europäischen Theaters in Mittelalter und Renaissance im Vergleich zu Theater vornehmlich in Japan und China sowie zum Teatro della fiera (dem Theater der Märkte, Plätze und Straßen) in aller Welt, dessen späte russische Erscheinung, den Balagan (benannt nach den Marktbuden der Händler, Komödianten und Betreiber der Schaukeln und Karusselle), er noch erlebt hatte. Ziel – gegenüber der vorherrschenden Überzeugung eines vom Willkürlichen oder Genialischen durchwirkten Künstlerischen – war es, Gesetzmäßigkeiten zu finden. ← 37 | 38 →

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