Show Less
Restricted access

Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

Series:

Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
Show Summary Details
Restricted access

Teil 1 Von der Oralität zur Literalität: Sagenhafte, mythische und kulturhistorische Ursprünge der Walpurgisnacht

Extract



I. Vororientierung

Im mitteleuropäischen Kulturraum und damit zwangsläufig auch in den als deutsch zu bezeichnenden Regionen, waren die Vorstellungen von dämonischen Versammlungen bis zum Ausgang des Mittelalters durch ein über Oralität vermitteltes Merkmalsgefüge geprägt, sofern sie nicht den Vorgaben aus antiken Schriften entsprachen. Trotz gewisser Wurzeln in antiker, keltischer und germanischer Mythologie oder in darauf bezogenen, interpretierenden christlichen Reflexen sind Hexenversammlung und Walpurgisnacht offenbar dennoch verhältnismäßig unabhängige mythische Elemente des Volksglaubens, die mitunter regionale Besonderheiten aufweisen (Kapitel II, III, IV). Weder ist dafür ein genauer historisch-substantieller Ursprung wirklich bestimmbar, noch existiert ein konkreter nachantiker Urtext, der eine hinreichende Orientierung darüber hätte bieten können.

Mit dem ausgehenden Mittelalter und dem Beginn der Frühen Neuzeit wurde die seit der Antike in unterschiedlicher Ausprägung bestehende Dämonologie ganz vorherrschend nurmehr als sogenannte Hexenlehre betrieben. Eine ihrer Kernaussagen zielte auf die Bestimmung und Bekämpfung des vermeintlich vielseitig daherkommenden Zaubereiverbrechens – des ‚Crimen magiae‘ – ab. Spätestens im Zuge dieses Geschehens wurden orale Überlieferungen von dämonischen Konventen an die Erfordernisse der Hexenlehre hin zur einer antichristlichen Fest- und Verschwörungsorgie angepasst und gelegentlich entsprechend schriftlich fixiert. Begünstigt wurde dieser Vorgang durch den aufgekommenen Buchdruck. Damit dürfte ein möglicherweise dazu zunächst noch konkurrierender, weniger gefährlich angelegter mythisch-sagenhafter Charakter für das homöostatische Gedächtnis, also für das dem Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse unterworfene kollektive Gedächtnis,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.