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Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

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Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
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V. Erste literarisch zu nennende Fixierungen

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Enthält u. a. Trithemius, Agrippa von Nettesheim, Pauli, Eulenspiegel-Volksbuch, Erasmus von Rotterdam, Pirckheimer, Sachs, Aventinus, „Gunpowder Plays“.

Nach Institoris’ „Malleus maleficarum“ von 1486/87 bleiben eingehende theologische und juristische Theoretisierungen über das Magie- und Hexenwesen, also Fachliteratur, bis weit in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts hinein in Deutschland praktisch aus; lediglich abgesehen von der in Dialogform abgefassten, in vielen Punkten zurückweisenden Schrift des „Malleus“-Kontrahenten Ulrich Molitor (1442–1507)424. Gleichwohl geht von dem für das durchschnittliche Weltbild zuweilen realitätsstiftende Fiktionsgefüge der Magie und von der dämonologischen Programmatik des „Hexenhammers“ ein untrüglicher anstoßender Einfluss auf verschiedene andere Textsorten meist philosophischer Prägung aus425.

In der Dichtung des Renaissance-Humanismus bleibt das Aufgreifen des Einzelteils der Hexenversammlung trotzdem eine Randerscheinung. Dafür könnte zunächst die Berührungsangst, sich nicht etwaigen Verdächtigungen aussetzen zu wollen, eine Erklärung sein. Eine weitere Ursache dürfte sicher der dämonologische Vorsatz sein, das ‚Hexenwerk‘ nicht noch durch poetisches ← 155 | 156 → Aufblähen indirekt fördern zu wollen. Aus anti-dämonologischer Sicht dagegen mochte man möglicherweise der Verbreitung des Hexenaberglaubens nicht noch eine zusätzliche Plattform zubilligen. Oder aber der ‚Hexensabbat‘ wurde einfach ohne näher bestimmbaren Grund noch nicht als ein für die Dichtung zwingender Gegenstand erachtet.

Nichtsdestotrotz gestatteten die allgemeine Rückläufigkeit der gegen Ende des 15. Jahrhunderts forcierten Zaubereiprozesse (Päpstliche „Hexenbulle“, 1484; „Hexenhammer“, 1487) um 1520 und die durch...

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