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Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

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Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
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Teil 3 Die ‚Walpurgisnacht-Dichtung‘ des Johann Wolfgang von Goethe als ‚Sattelpunkt‘ in der Verwendungsgeschichte der Motivik

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I. Vororientierung

Den Faust-Stoff charakterisierte Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) im Gespräch mit Johann Peter Eckermann (1792–1854) als „ganz etwas Inkommensurables“1. Allerdings zeigt Goethes ausschöpfender dichterischer Umgang mit den Möglichkeiten, die die Vorstellungen vom Hexentreiben auf dem Blocksberg für ihn augenscheinlich geboten haben, dass auch im Fall der Walpurgisnacht von einer gewissen Inkommensurabilität ausgegangen werden kann. Dass Goethe die Walpurgisnacht nicht bloß als ein dem Faust-Stoff irgendwie anhängendes, verzierendes Beiwerk betrachtet haben kann, sondern dass auch darüber bei ihm ein eingehender Auseinandersetzungsprozess erfolgt sein muss, ist nicht zuletzt an der Ballade „Die erste Walpurgisnacht“ (1799) ersichtlich, die keine direkten, intertextuellen Bezüge zur Faust-Dichtung hat2. Der nichtsdestotrotz überwiegend in den Kontext der Faust-Tragödie eingewobene, im Vergleich zu den Poetisierungen früherer Autoren beträchtliche Ertrag dieser Auseinandersetzung lässt es von Umfang und Form her durchaus angemessen erscheinen, von einer ‚Walpurgisnacht-Dichtung‘ Goethes zu sprechen; zumal spätestens seit der entsprechenden poetischen Umsetzung im „Faust I“ die Walpurgisnacht im Werk Goethes eine untrügliche und ausdrucksvolle toposhafte Qualität aufweist. Zum auslaufenden Aufklärungszeitalter vermochte Goethe deutlicher als es für seine Vorgänger möglich sein konnte, die vielfältigen Qualitäten der „Traum- und Zaubersphäre“ (Faust I, V. 3871) zu erkennen und poetisch aufwendiger umzusetzen. Das betrifft unter anderem deren Eignung als Projektionsfläche für gewisse metaphysische Sehnsüchte, die eben auch als eine Gegenreaktion auf eine radikal entmythisierende Aufklärung zu...

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