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Globale Wissensdiffusion in der Politik sozialer Sicherung

Die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in der Volksrepublik China

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Tao Liu

Die Studie analysiert erstmals die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in China in den 2000er Jahren, basierend auf umfangreichen Feldforschungen. Mit der Unfallversicherung hat sich China für die Idee individueller sozialer Rechte geöffnet, die weder in der konfuzianischen noch der sino-kommunistischen Tradition verankert ist. Der Autor zeigt, dass dieser Durchbruch wesentlich auf Prozesse globaler Wissensdiffusion zurückzuführen ist, zu der internationale Organisationen und vor allem die Träger der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung beigetragen haben. Ergänzend wird die weltweite Verbreitung unterschiedlicher Modelle der Unfallversicherung dargestellt. Theoretisch wird die Diffusion in den Zusammenhang einer emergierenden «Weltkultur» gestellt.
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Kapitel 3 Forschungsmethoden

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Diese Arbeit erforscht die wohlfahrtstaatliche Entwicklung im Anschluss an die Diffusionstheorie. Für die Analyse der internen wirtschaftlichen Struktur und der politischen Kräfteverhältnisse eines Staates wird üblicherweise der funktionalistische Ansatz in Anspruch genommen. Da in dem vorliegenden Dissertationsprojekt die Entwicklung der Arbeitsunfallversicherung hauptsächlich aus der exogenen (weltgesellschaftlichen) Perspektive eruiert wird, ist jedoch ein politisch-konstruktivistisches Erklärungsmodell erforderlich, um erläutern zu können, wie die chinesischen Eliten das Wissen der Weltgesellschaft wahrnehmen, wie sie verschiedene Semantiken aus der Weltgesellschaft interpretieren und strukturieren, welche Deutungsmuster es im Kreis der inländischen Eliten gibt, wie sie die weltgesellschaftlichen Ideen selektiv erlernen und dann in die inländische politische Diskussion einbeziehen. Bei der Analyse der Wissensdiffusion wird ebenfalls Aufmerksamkeit darauf gerichtet, wie die Ideen und Semantiken der internationalen epistemischen Gemeinschaft an den chinesischen Elitenkreis transferiert werden.

Der konstruktivistische Ansatz lässt sich klar von dem funktionalistischen Ansatz abgrenzen. Er geht davon aus, dass das politische Problem gesellschaftlich konstruiert und von verschiedenen Akteuren unterschiedlich gedeutet wird (Berger/Luckmann 1984). Eine politische Veränderung oder eine Reform erfolgen nur dann, wenn ein politischer Diskurs anderen konkurrierenden Diskursen überlegen ist und diese dominiert. Träger der verschiedenen politischen Diskurse sind Wissensgemeinden, die Wissenschaftler, Universitätsprofessoren, Beamte, Politiker und Gelehrte in Forschungsinstitutionen und Expertenkommissionen einschließen.

Dem konstruktivistischen Ansatz entsprechend bedient sich die vorliegende Untersuchung verschiedener Forschungsmethoden. Eingesetzt werden Experteninterviews und eine Dokumentenrecherche. Zusätzlich wird noch die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung in einem bestimmten Interaktionsfeld angewandt. ← 85 | 86...

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