Show Less
Restricted access

Apologien Russlands

Ein russisch-deutsches Presse-Projekt (1820–1840) und dessen Gestalter Fedor I. Tjutčev und Friedrich L. Lindner

Series:

Svetlana Kirschbaum

Ende der 1820er Jahre erschienen in einem der bedeutendsten Presseorgane Europas, der Augsburger Allgemeinen Zeitung, zahlreiche russlandkritische Artikel. Als Gegenreaktion engagierte die russische Gesandtschaft in München den renommierten Publizisten Friedrich L. Lindner, um das außenpolitische Ansehen Russlands wiederherzustellen. Die Autorin rekonstruiert den Verlauf dieser prorussischen Presse-Aktivitäten im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Unter Heranziehung von bislang unveröffentlichtem Archivmaterial wird untersucht, welche Rolle hierbei der bedeutende russische Dichter und Publizist Fedor Tjutˇcev, ein Mitarbeiter der Gesandtschaft, spielte. Im Mittelpunkt der Studie stehen die russlandapologetischen Konzepte Lindners und Tjutčevs, die aufgrund dieser Zusammenarbeit entstanden sind.
Show Summary Details
Restricted access

2. Imperialer Philhellenismus: Russisch-türkischer Krieg (1828–1829)

Extract

In seinem Artikel Politische Betrachtungen im Anfange des Winters 1828/29 – im Weiteren: PB1 – verteidigte Lindner die Positionen Russlands im russisch-türkischen Krieg und kritisierte die englische Politik in der orientalischen Frage (s. Lindner 1828e). Der Artikel stellte höchstwahrscheinlich eine Reaktion auf das antirussische Sendschreiben an alle Zeitungsschreiber von Europa aus Konstantinopel dar, das in der AAZ am 8. November 1828 erschien (Beilage Nr. 313). Potemkin, der über dieses Sendschreiben… und seine Resonanz in der europäischen Öffentlichkeit Nesselrode berichtete (vgl. Dinesman 2004, 15–16), muss auch über Lindners Antwort Bescheid gewusst haben.

In seinen Politischen Betrachtungen… geht Lindner gleich am Anfang in die Offensive und sagt die gefälschten Mitteilungen und Spekulationen in Bezug auf den russisch-türkischen Krieg voraus, die während der bald in den Kriegsoperationen eintretenden Winterpause in der europäischen Presse erscheinen. Die öffentliche Meinung bzw. die Diplomaten werden sich in dieser Zeit, so Lindner, nur auf die „Gedanken und Wünsche“ der englischen und französischen, „möglicherweise“ auch deutschen Journalisten bzw. auf die Gerüchte, die „von den Leidenschaften der Parteien“ ausgehen, stützen. Gerade das will Lindner verhindern. Seine kritischen Bemerkungen sind nicht zuletzt an die russische Seite adressiert. Er weist indirekt darauf hin, dass im europäischen Raum offensichtlich ein Mangel an russischen Stellungnahmen hinsichtlich des Krieges bzw. an Berichten (pro)russischer Journalisten bestehe, an deren Stelle eben die Gerüchte auftauchen, die dabei nicht unbedingt zugunsten Russlands ausfallen. Wenn Lindner die Gerüchte auch für schädlich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.