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Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
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Einleitung: Problemstellung – Quellen – Literatur

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In der Geschichte des geistigen Lebens Rußlands und der russischen Literatur des 18. Jahrhunderts gebührt Aleksandr Nikolaevič Radiščev ein besonderer Platz. Das ist unbestritten, auch wenn seine Bewertung recht unterschiedlich ausfällt, je nachdem, ob er als Revolutionär oder als radikaler Denker liberaler Richtung charakterisiert wird. Dabei sollte auch der Begriff Revolutionär eindeutig definiert werden. In diesem Sinne ist derjenige, der eine Revolution nicht ablehnt, sie für möglich hält, noch kein Revolutionär – dazu gehört zumindest aktiver Einsatz bei der unmittelbaren Vorbereitung und Durchführung einer revolutionären Aktion. Jedenfalls ist es nicht üblich, Rousseau, Montesquieu, Voltaire und andere französische Aufklärer, die durch ihre Schriften die Große Französische Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts vorbereitet haben, als „Revolutionäre“ zu bezeichnen.

Erst in jüngster Zeit beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, daß für die Zeit Radiščevs, für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, sich eine auf Reformen orientierte und eine den gewaltsamen „revolutionären“ Umsturz nicht ablehnende Auffassung durchaus ergänzen können. Die Radiščev eigene radikale Weltanschauung ließ eine Entwicklung in beiden Richtungen offen. Radiščev lebte in einer Zeit, in der sich der moderne Revolutionsbegriff erst herauszubilden begann. Damals strebten selbst radikale Denker noch nicht neue Verhältnisse an, sondern sie wollten – ich zitiere Karl Griewanks Feststellung – „Altes oder schon Errungenes, in jedem Fall ein Bleibendes, erhalten oder wieder herstellen.“1 Der Widerstand gegen bestehende Mißstände...

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