Show Less
Restricted access

Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
Show Summary Details
Restricted access

2. Universitätsausbildung in Leipzig

Extract

In Rußland entwickelte sich das Schulwesen in einer sehr speziellen Form. Erst unter Peter dem Großen finden sich Anfänge für eine systematische Elementarausbildung. Unter der unmittelbaren Aufsicht des Zaren wurden vor allem dem Militärwesen dienende technische und medizinische Lehranstalten gegründet, erst danach kam es zur Gründung von Grundschulen „Ziffernschulen“ (цифирные школы), die Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben vermitteln sollten.1 Da in Rußland ein eigenes Schulsystem erst im Entstehen war, es keine entsprechend ausgebildeten Fachleute für die vielen zu besetzenden Posten gab, sah sich Zar Peter veranlaßt, ausgewählte Adlige zur Ausbildung an Universitäten und Institutionen nach Mittel- und Westeuropa zu schicken, vor allem nach Holland und Italien, aber auch nach Halle, Königsberg, Glasgow, Uppsala und andere Orte.2 Damit hat Zar Peter eine Tradition begründet, die – mit Unterbrechungen – während des ganzen 18. Jahrhunderts weitergeführt worden ist.

Eine Delegierung dieser Art war beispielsweise das Studium Lomonosovs und zweier weiterer Studenten aus Rußland in Marburg und Freiberg 1735 bis 1740. 3 In jüngster Vergangenheit hat Andrej Jur’evič Andreev eine ausführliche Monographie über russische Studenten an deutschen Universitäten im 18. und ← 41 | 42 → in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgelegt, in der die Leipzig gewidmeten Ausführungen fast ausschließlich der Gruppe russischer Studenten um Radiščev gewidmet sind.4

1765 kam Vladimir Orlov, ein Bruder des Favoriten der Kaiserin Katharina II. Grigorij Orlov, vom Studium aus Leipzig zurück. Die Zarin...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.