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Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
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3. Senat und Militärjustiz

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„Gedenke unserer Ungeduld, uns wieder in der Heimat zu sehen, gedenke unserer jubelnden Freude, als wir die Grenze zwischen Rußland und Kurland schauten! […] Ich gebe zu, und Du, lieber Freund, tust es auch, daß das, was nach unserer Rückkehr kam, diese Glut in uns erheblich dämpfte.“1 Mit diesen Worten hat Radiščev später die Erinnerung an seine Rückreise aus Leipzig geschildert.

Die drei ehemaligen Studenten Radiščev, Kutuzov und Rubanovskij kamen im November 1771 in Petersburg an. Ihre Leistungen während des Studiums wurden formell anerkannt, ihnen wurde der Rang eines Titularrates zuerkannt, das war die neunte Stufe in der vierzehnstufigen Rangtabelle. Damit hoben sie sich von der Masse der Kanzleiangestellten des Senats deutlich ab, die in der Regel ohne Rang waren.

Anzunehmen ist, daß Radiščev unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Petersburg wieder in seinem Haus in der Vierten Linie auf der Vasil’ev-Insel gewohnt hat,2 obwohl es einen dokumentarischen Nachweis darüber nicht gibt. Bekannt ist aus seinen eigenen Angaben, daß er mit Aleksej Kutuzov in einer gemeinsamen Wohnung gelebt hat.

Am 9. Dezember 1771 wurden sie als Protokollanten im Senat eingesetzt, am 16. Dezember erfolgte die Zuweisung von Radiščev und Rubanovskij zum ersten Departement, Kutuzov zum dritten Departement des Senats. Das erste Departement befaßte sich vor allem mit der Innenpolitik. Allein im 1. Departement des Senats gab es zehn Protokollanten. Die Protokollanten hatten das Material für die Senatssitzungen vorzubereiten, die oft...

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