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Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
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4. Kommerz-Kollegium und Petersburger Gouvernementsverwaltung

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Am 1. September 1776 hatte Radiščev um erneute Aufnahme in den Staatsdienst gebeten. Diese Bittschrift hat Starcev veröffentlicht.1 Es dauerte jedoch mehr als ein Jahr, ehe am 22. Dezember 1777 die Weisung erfolgte, Radiščev als Kollegien-Assessor auf die vakante Stelle eines Mitglieds des Kommerz-Kollegiums zu berufen.2 Am 1. Januar 1788 trat er seinen neuen Dienst an. Unbekannt ist, warum diese Ernennung so lange hinausgezögert worden ist.

Über den Dienst Radiščevs in den folgenden Jahren hat A. I. Starcev auf Grund der Akten des Kommerz-Kollegiums im Moskauer Staatsarchiv für Alte Akten ausführlich berichtet. Als Literaturwissenschaftler hat er dabei seine Aufmerksamkeit auf die für die Biographie Radiščevs wesentlichen Angaben gerichtet, außerdem hat er einige spektakuläre Fälle hervorgehoben. Wie weit die tagtägliche Kleinarbeit im Kommerz-Kollegium und seit 1780 in der Petersburger Gouvernements-Verwaltung die Anschauungen Radiščevs geprägt hat, ist von ihm nicht thematisiert worden.

Die Angaben Starcevs werden in vielen Einzelheiten durch die von mir erschlossenen Bestände des Petersburger Hafenzolls im Petersburger Historischen Staatsarchiv ergänzt.3 ← 111 | 112 →

Wie im Kommerz-Kollegium die verschiedenen Bereiche unter den Mitgliedern aufgeteilt waren, ist nicht erforscht. Präsident des Kommerz-Kollegiums war zu jener Zeit Aleksandr Romanovič Voroncov. Die Zusammenarbeit Radiščevs mit seinem neuen Vorgesetzten leitete über zu einer engen Freundschaft, die auch weiterbestand, als Radiščev aus dem Kommerz-Kollegium ausgeschieden war, nicht mehr zu den Voroncov direkt unterstellten Mitarbeitern gehörte. Voroncov war in der...

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