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Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802)

Leben und Werk

Peter Hoffmann

Aleksandr Nikolaevič Radiščev, geboren 1749, erhielt seine juristische Ausbildung an der Leipziger Universität. Er gehört zu den bedeutenden Schriftstellern Rußlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine von der europäischen Aufklärung beeinflußten radikalen Anschauungen werden nicht in Frage gestellt, trotzdem wird sein Werk, besonders «Die Reise von Petersburg nach Moskau», unterschiedlich interpretiert – entweder wird er als konsequenter Revolutionär oder als Vorläufer des russischen Liberalismus charakterisiert. Dieses Buch will diese Einseitigkeit überwinden und sein Werk in den Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts einordnen. Das bedeutet, die verschiedenen Komponenten im Werk Radiščev als gleichwertig anzusehen.
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8. Die letzten Lebensjahre

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Am 12. März 1801 wurde Zar Paul I. ermordet, Alexander I. übernahm die Regierung. Schon am 15. März 1801 unterzeichnete er einen Ukas, daß alle auf Weisung der Geheimen Kanzlei in Gefängnissen oder in Verbannung gehaltenen Personen zu amnestieren sind – in der beigefügten Namensliste ist auch Radiščev genannt.2

An 31. März 1801 wurde Radiščev durch die für Nemcovo zuständige Gouvernementsverwaltung Kaluga über diesen Ukas informiert. Den Bericht darüber hat D. S. Babkin im Archiv gefunden und veröffentlicht.3 Die Polizeiaufsicht wurde aufgehoben, Radiščev erhielt seinen früheren Rang und seine Adelsprivilegien zurück, ihm wurde erlaubt, seinen Wohnort frei zu wählen. Er kehrte nach Sankt Petersburg zurück. Ein eigenes Haus besaß er nicht mehr, das Haus war nach seiner Verurteilung und Verbannung verkauft worden. Radiščev wohnte in Mietswohnungen, aber die genauen Adressen sind nicht mehr feststellbar.4

Am 6. August 1801 hatte Alexander I. durch Ukas Radiščev zum Mitglied der Kommission zur Ausarbeitung der Gesetze ernannt, am 13. August nahm Radiščev erstmals an einer Kommissionssitzung teil.5 Babkin hat die Empfehlung von A. R. Voroncov für die Ernennung Radiščevs zum Mitglied dieser Kommission ermittelt.6 Über die seinerzeit von V. I. Semevskij veröffentlichte ← 219 | 220 → Empfehlung Speranskijs7 schweigt Babkin – offensichtlich hat es von mehreren Personen derartige Empfehlungen gegeben. Vorsitzender dieser Kommission war Graf Petr Vasil’evič Zavadovskij.

Die Notwendigkeit einer Reform der unübersichtlichen, auf dem Uloženie von...

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