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Literatur im sozialen Prozess des langen 19. Jahrhunderts

Zur Ideengeschichte und zur Sozialgeschichte der Literatur

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Udo Köster

Schriftsteller beanspruchen im Prozess der Modernisierung eine wichtige Rolle als Verfasser von Dorfromanen, als nationale Propagandisten in den Befreiungskriegen, als Mitspieler in der Literatur der französischen Moderne (Heinrich Heine), als Träger des deutschen Nationalbewusstseins und als Begründer einer nationalen Staatlichkeit nach 1870. Der Band versammelt Arbeiten zur Sozialgeschichte der Literatur, unter anderem über Strategien der Bauernaufklärung, über kulturelle Stereotypen in den deutsch-französischen Kulturbeziehungen, über Gender-Mythen und Mystifikationen im Vormärz, über den «französischen» Heine sowie über David Friedrich Strauß und die Rezeption der Religionsphilosophie Hegels; ferner geht es um Geschichtsbilder und die Mentalität der Gebildeten im Kaiserreich sowie um theoretische Fragen der Modernisierung und der literarischen Moderne um 1900.
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9. Heinrich Heine und Henri Enn. Der französische Heine und die deutsche Kritik

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Als 1966 in Jerusalem ein umfangreiches Konvolut von Heine-Manuskripten zum Verkauf stand2, entschied der französische Präsident de Gaulle, dass die nötigen Mittel zum Erwerb, über eine Million DM, der Pariser Bibliothèque Nationale zur Verfügung gestellt werden sollten, mit der Begründung, „Heine sei schließlich nicht nur ein deutscher, sondern auch ein französischer Schriftsteller gewesen“3. War er das wirklich? In dem Vortrag geht es um den französischen Schriftsteller Henri Heine, um den Unterschied des französischen und des deutschen Heine und um Heines Weg nach Frankreich und in die französische Literatur.

Hier in Frankreich ist mir gleich nach meiner Ankunft in Paris mein deutscher Namen „Heinrich“ in Henri übersetzt worden […]. Auch den Namen Henri Heine haben sie nie recht aussprechen können und bey den meisten heiße ich Mr Enri Enn, von vielen wird dieses in ein Enrienne zusammen gezogen, und einige nannten mich Mr Un rien. Das schadet mir in mancherley literärischer Beziehung, gewährt aber auch wieder einigen Vortheil. Z. B. unter meinen edlen Landsleuten welche nach Paris kommen, sind manche die mich gern hier verlästern möchten, aber da sie immer meinen Namen deutsch aussprechen, so kommt es den Franzosen nicht in den Sinn daß der Bösewicht und Unschuldbrunnenvergifter über den so schrecklich geschimpft ward kein andrer als ihr Freund Monsieur Enrienne sey […]4.

← 191 | 192 → Das Zitat macht deutlich: Heine wollte, dass alles, was ihm in Deutschland vorgehalten wird...

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