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Rhetorik und Kulturen

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Edited By Michel Lefèvre, Katharina Mucha-Tummuseit and Rainer Hünecke

Aus der Perspektive der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft nehmen die Beiträge des Bandes das Zusammenspiel von Rhetorik und Kulturen vom 8.–21. Jahrhundert in den Blick. Rhetorische Konstruktionen tradieren, modifizieren und verweben kulturelle Strömungen als eine spezifische Kompetenz von kulturellem Ausdruck. Die Beiträge sind theoretisch und methodisch vielfältig ausgerichtet. Einige stellen empirische Analysen rhetorischer Gepflogenheiten bereit, die synchron innerhalb eines Systems Bestand haben und dieses konturieren, oder die diachron im Wechsel kultureller Strömungen auftauchen oder verschwinden.
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Delphine Pasques - Das Gegnerbild und das Sprecherethos im Isidor-Traktat (780): Rhetorik der Herrschaft

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Delphine Pasques

Université Paris Sorbonne

Das Gegnerbild und das Sprecherethos im Isidor-Traktat (780): Rhetorik der Herrschaft

The paper analyses the linguistic signals that express and sharpen the antagonist’s image and the speaker’s ethos in the treatise of Isidor. Hence, these strategies for persuading are regarded as part of the argumentative and polyphonic treatise specified as piece of rhetorical authority.

0. Einleitung

Die althochdeutsche Übersetzung des Isidor-Traktats De Fide Catholica ist ein argumentativer Text, der die Orthodoxie des christlichen Glaubens nicht linear darlegt, sondern als Auseinandersetzung zwischen einem Gegner bzw. einem Falschgläubigen und einem Verteidiger der Christologie dynamisch inszeniert. Der Traktat ist kein echter Dialog, d. h. kein dialogaler Text mit einer sog. face-to-face-Situation, sondern ein dialogischer Diskurs zwischen zwei Parteien.1 Der im Diskurs Angesprochene, sprich der „Falschgläubige“, der im Traktat auch zu Worte kommt, soll davon überzeugt werden, dass die Interpretation des Alten Testaments durch die Katholiken die alleingültige ist, wobei die trinitäre Auffassung des Monotheismus im Vordergrund steht.

Mir geht es im Folgendem darum, das Machtverhältnis zwischen Gegner- und Rednerpartei zu untersuchen, wie es einerseits durch das im Diskurs entworfene Bild des Gegners und andererseits durch das im Diskurs entworfene Ethos des Redners hergestellt wird. Gegnerbild und Rednerethos nehmen an dem Überredungsverfahren primär teil und gehören sogar zu den wichtigsten Persuasionsmitteln.2 ← 389 | 390 →

Nach Kerbrat-Orecchioni sei es schwieriger, in einem Diskurs das Bild des Empf...

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