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Literaturkritik ohne Sprachkritik?

Theodor Fontane, Alfred Kerr, Karlheinz Deschner, Marcel Reich-Ranicki und Kollegen

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Nicole Kaminski

Das Buch hat überhaupt keine Sprache! Mit diesem Urteil einer prominenten Kritikerin lassen sich viele Rezensionen überschreiben: Literatur- und Theaterkritiker enthalten sich oft einer Bewertung der Sprache – das gilt für berühmte Kritiker aus dem 19. Jahrhundert, wie Theodor Fontane oder Alfred Kerr, ebenso wie für Marcel Reich-Ranicki und seine Kollegen. Nach welchen Kriterien bewertet Fontane die Sprache? Warum kritisiert Reich-Ranicki die Sprache so selten? Wodurch werden Sprachbewertungen verdrängt? Die Autorin analysiert über 1550 Rezensionen aus Tages- und Wochenzeitungen, Literaturzeitschriften und Essaysammlungen. Durch die Kategorisierung und Auswertung der zahlreichen Sprachurteile gelingt es ihr, generelle Tendenzen der Literaturkritik und ihres Verhältnisses zur Sprachfrage aufzuzeigen.
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4 Das Kritikverständnis von Theodor Fontane und Alfred Kerr

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← 113 | 114 → „Denn man bilde sich nur nicht ein,daß ein Literaturkritiker ein Richter ist,viel öfter ist er ein Angeklagter.“

Fontane530

„Kritiker ist, werverkleidetem Durchschnittins Gesicht haut.“

Kerr531

In dem Vorwort zu seiner Kritikensammlung „Die Saison hat glänzend begonnen“ beschreibt Fontane, dass er sich als Theaterkritiker auf seinem Parkettplatz Nr. 23 oft wie ein Angeklagter gefühlt habe und unterscheidet zwischen zwei konträren Kritiker-Typen: „Für den Eitlen war Nr. 23 ein kurullischer Stuhl, für den weniger Eitlen ein Armesünderbänkchen.“ Fontane verstand sich nicht als „Scharfrichter“, sondern vielmehr als „Insasse von Nr. 23.“532

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