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Literaturkritik ohne Sprachkritik?

Theodor Fontane, Alfred Kerr, Karlheinz Deschner, Marcel Reich-Ranicki und Kollegen

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Nicole Kaminski

Das Buch hat überhaupt keine Sprache! Mit diesem Urteil einer prominenten Kritikerin lassen sich viele Rezensionen überschreiben: Literatur- und Theaterkritiker enthalten sich oft einer Bewertung der Sprache – das gilt für berühmte Kritiker aus dem 19. Jahrhundert, wie Theodor Fontane oder Alfred Kerr, ebenso wie für Marcel Reich-Ranicki und seine Kollegen. Nach welchen Kriterien bewertet Fontane die Sprache? Warum kritisiert Reich-Ranicki die Sprache so selten? Wodurch werden Sprachbewertungen verdrängt? Die Autorin analysiert über 1550 Rezensionen aus Tages- und Wochenzeitungen, Literaturzeitschriften und Essaysammlungen. Durch die Kategorisierung und Auswertung der zahlreichen Sprachurteile gelingt es ihr, generelle Tendenzen der Literaturkritik und ihres Verhältnisses zur Sprachfrage aufzuzeigen.
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9 Sprachkritik in der Monatszeitschrift „literaturen“

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← 186 | 187 → „Gegen die gewissenlose Tintenklexerei […]und gegen die demnach immer höher steigendeSündfluth unnützer und schlechter Büchersollten die Litteraturzeitungen der Damm seyn […].“

Arthur Schopenhauer702

In Presse, Rundfunk, Fernsehen und literaturkritischen Internetportalen stehen Literaturinteressierten täglich unzählige Rezensionen zur Verfügung, die über Neuerscheinungen informieren. Mit der Zeitschrift „literaturen“ wollte Sigrid Löffler dem Leser inmitten dieses Angebots ein Qualitätsjournal anbieten, das Orientierungshilfe leisten sollte.

2002 erklärte Sigrid Löffler auf einem Vortrag in London die Ära der Großkritiker für beendet: „Gefordert ist der sachbezogene, konzise, an seinen ästhetischen Gegenständen orientierte Kritiker.“ Die Literaturkritik müsse sich neu definieren. „Ausgedient hat der eitle Großkritiker mit seinen Allüren herrscherlicher Willkür.“703 Mit der Gründung ihres Bücherjournals hatte die Trägerin des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik zwei Jahre zuvor versucht, etwas ins Leben zu rufen, das es in dieser Form bisher nur im angelsächsischen Raum gab: „literaturen“ solle eine Mittelstellung zwischen Tageszeitung und Fachjournal beziehen. Zwar handele es sich um eine Literaturzeitschrift, „die das breite Publikum sucht“, so Löffler, jedoch solle ein „Spagat“ zwischen Akademikern und dem „normalen Leser“ versucht werden.704

Ob es den Autoren von „literaturen“ gelungen ist, Sprachkritik auf hohem Niveau in einer auch dem Laien verständlichen Sprache zu betreiben, soll die Auswertung der ersten acht Ausgaben des Bücherjournals zeigen.

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