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Postkoloniale Positionen?

Die Biennale DAK’ART im Kontext des internationalen Kunstbetriebs

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Verena Rodatus

Das Buch ist ein aktueller Beitrag zur Debatte um postkoloniale Perspektiven in der Kunstwissenschaft. Im Zentrum steht die DAK’ART-Biennale, an der sich ein gängiges identitätspolitisches Dilemma zeigt: Künstlerinnen und Künstler vom afrikanischen Kontinent müssen oft nicht nur «zeitgenössisch», sondern auch «afrikanisch» sein, um im internationalen, aber weiter westlich dominierten Kunstbetrieb Anerkennung zu erhalten. Aus einer postkolonialen und gendertheoretischen Perspektive argumentiert die Autorin, dass diese Problematik im Kontext des tradierten Primitivismusdiskurses zu sehen ist. In einer differenzierten Ausstellungsanalyse fragt sie nach kritischen künstlerischen und kuratorischen Strategien der DAK’ART 2006 und entwickelt daraus Vorschläge für zeitgemäße kuratorische Ansätze.
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1. Die Biennale DAK’ART zwischen ‚Zeitgenossenschaft‘ und ‚Afrikanität‘ – ein identitätspolitisches Dilemma im Kontext des internationalen Kunstbetriebs

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1. Die Biennale DAK’ART zwischen ‚Zeitgenossenschaft‘ und ‚Afrikanität‘ – ein identitätspolitisches Dilemma im Kontext des internationalen Kunstbetriebs

Auf dem afrikanischen Kontinent mehrte sich in den letzten zwei Jahrzehnten die Zahl der temporären Großausstellungen zeitgenössischer Kunst, die regelmäßig in Städten wie Kapstadt, Johannesburg, Luanda, Bamako und Kairo ausgetragen werden1. Da es in den meisten afrikanischen Ländern nur eine schwache Infrastruktur in Gestalt von modernen Kunstzentren oder akademischen Einrichtungen und noch keine größeren zeitgenössischen Kunstmuseen gibt, gilt die Biennale DAK’ART national wie überregional als wichtiger kultureller Standortfaktor (vgl. Konaté 2009: 36).

Sie ist die älteste und gilt als die international bekannteste unter den afrikanischen Biennalen. Unter der Schirmherrschaft des senegalesischen Kulturministeriums2 schreibt sich die Biennale laut der Pressemappe der Biennale 2006 in die Linie der großen kulturellen Ereignisse, wie dem berühmten „Festival Mondial des Arts Nègres“ (1966, erneut 20103), ein. Ihre Aufgabe ist es, den Veranstalter_innen zufolge, durch eine Öffnung gegenüber internationalen ‚Expert_ innen‘4 eine „Plattform der Sichtbarkeit“ für Künstlerinnen und Künstler ← 13 | 14 → vom afrikanischen Kontinent und der Diaspora im Kontext eines sich globalisierenden Kunstbetriebs zu bilden (vgl. Pressemappe 2006). Gleichzeitig ist es das Ziel, „die Entwicklung des Kontinents zu fördern“, beispielsweise durch den Aufbau eines afrikanischen Kunstmarkts und durch einen intra-afrikanischen künstlerischen Austausch5 (ebd.).

Der Gedanke, dass die politische und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas durch Kunst gefördert werden kann, war besonders in der Kulturpolitik...

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