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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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XII) Resümee – Warum ist Katyń so ein wichtiger Gedächtnisort für die polnische Erinnerungskultur?

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Durch seine Geschichte hat Polen eine besondere Beziehung zur Erinnerung tragischer Ereignisse und die im 19. Jahrhundert entstandene Sicht auf das eigene Land, Märtyrer unter allen Ländern, Christus unter den Völkern zu sein, welche durch die traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs noch verstärkt wurde und die polnische Erinnerungskultur und das polnische Selbstbild bis heute prägt.

Opfer, die als Helden gestorben sind, lassen sich sinnstiftend als Vorbilder in diese Erinnerungskultur integrieren. Für die Angehörigen und die Akteure der polnischen Erinnerungskultur sind das die Opfer von Katyń. Gerade auch auf der Ebene der Geschichtspolitik lässt sich der Opfer von Katyń als positive Vorbilder gedenken. Das Trauma, das durch das Massaker für die Nation und die Hinterbliebenen der Opfer ausgelöst wurde, liegt jenseits der Grenzen des Vorstellbaren. Deshalb fällt das Erinnern an das tatsächliche Verbrechen schwer und eine frühe, vollständige Aufarbeitung wäre hilfreich gewesen, das Trauma zu lindern. Doch diese Linderung sollte der Gesellschaft und den Angehörigen über 40 Jahre verwehrt bleiben. Die Tabuisierung und das Festhalten an der Burdenko-Doktrin bedeutete einen weiteren zugefügten Schmerz für die Hinterbliebenen. Ist der Schrecken noch fühlbar? Oder ist er verjährt? Für die Angehörigen wird dieser Schrecken dann abklingen, wenn die historische Aufarbeitung nach 1989 wirkt und das öffentliche Sprechen und Gedenken Normalität darstellt und es kein Kampf mehr gegen Russland oder die „weißen Flecken“ der Geschichte ist. Transformationen benötigen...

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