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Subjekte im Experiment

Zu Wilhelm Wundts Programm einer objektiven Psychologie

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Nora Binder

Dieses Buch widmet sich der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundts. Dieser etablierte 1879 das weltweit erste experimentalpsychologische Labor und gilt als Gründervater der wissenschaftlichen Psychologie. Er entwarf ein innovatives Forschungsprogramm, welches auf die Objektivierung psychologischer Selbstbeobachtung zielte. Die Autorin fragt nach dem Status des Subjekts in Wundts Experimentalpsychologie. Sie rekonstruiert die experimentelle Praxis der Introspektion und verortet diese im Spannungsfeld zeitgenössischer epistemischer Ideale. Damit wird ein Kernproblem der akademischen Psychologie zwischen 1880 und 1920 angesprochen – die hochkomplexe Frage, ob und wie sich in der experimentellen Selbstbeobachtung objektives Wissen über die Psyche des Subjekts gewinnen lässt.
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1. Einleitendes

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1.  Einleitendes

„So dringt die exakte Methode langsam, aber sicher auch in das schwer zugängliche Gebiet der inneren Erfahrung. Indem sie das Dunkel des Bewusstseins mit ihrer Fackel erleuchtet, verscheucht sie zugleich die Gespenster metaphysischer Träume, die unter dem Schutze einer trügerischen subjektiven Beobachtung hier lange ihr Dasein gefristet.“ Wilhelm Wundt: „Die Messung psychischer Vorgänge“ (1885), S. 240.

Mit obigem Satz resümierte Wilhelm Wundt Ende des 19. Jahrhunderts das Unternehmen, welches er maßgeblich auf den Weg brachte: die Begründung einer wissenschaftlichen „objectiven Psychologie“1. Der gemeinhin als „Vater“2 der experimentellen Psychologie geltende und von nachfolgenden Psychologen zum „Nestor“3 degradierte Physiologe, Philosoph und Psychologe stand im Zentrum der entstehenden Experimentalpsychologie im späten 19. Jahrhundert. Indem er die „exakte Methode“ des Experiments einführte, bannte er, nach eigenem Bekunden, die „Gespenster metaphysischer Träume“ und setzte der „trügerischen subjektiven Beobachtung“ ein Ende.

Eine Psychologie, die objektives Wissen generieren wollte, sah sich offenkundig mit dem spezifischen Problem konfrontiert, dass Wissen über die Psyche zunächst nur mittels „subjektiver Beobachtung“ zu gewinnen ← 9 | 10 → war. Objekt und Subjekt der Beobachtung waren nicht klar zu trennen, vielmehr fielen sie in eins: „Das Objekt der Selbstbeobachtung“, brachte Wundt es auf den Punkt, „ist ja eben der Beobachter selber.“4 Gleichwohl entwarf Wundt ein Programm, welches diese „subjektive Beobachtung“, die unter dem Generalverdacht der Trughaftigkeit stand, im Medium des Experiments zu einer Methode im Dienste einer...

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