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Subjekte im Experiment

Zu Wilhelm Wundts Programm einer objektiven Psychologie

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Nora Binder

Dieses Buch widmet sich der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundts. Dieser etablierte 1879 das weltweit erste experimentalpsychologische Labor und gilt als Gründervater der wissenschaftlichen Psychologie. Er entwarf ein innovatives Forschungsprogramm, welches auf die Objektivierung psychologischer Selbstbeobachtung zielte. Die Autorin fragt nach dem Status des Subjekts in Wundts Experimentalpsychologie. Sie rekonstruiert die experimentelle Praxis der Introspektion und verortet diese im Spannungsfeld zeitgenössischer epistemischer Ideale. Damit wird ein Kernproblem der akademischen Psychologie zwischen 1880 und 1920 angesprochen – die hochkomplexe Frage, ob und wie sich in der experimentellen Selbstbeobachtung objektives Wissen über die Psyche des Subjekts gewinnen lässt.
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2. Grundlagen des Wundt’schen Experimentalsystems

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2.  Grundlagen des Wundt’schen Experimentalsystems

„Hier aber wagt es eine ganz neue Wissenschaft, das Haupt zu erheben. Sie wird auch außerhalb der philosophischen Kreise mit zweifelhaften Augen betrachtet, und bis dahin stand sie in der ziemlich unbestrittenen Dienstbarkeit der Philosophie.“ Wilhelm Wundt: „Die Aufgaben der experimentellen Psychologie“ (1882), S. 195.

„A preoccupation with error is a – perhaps the – hallmark of modern accounts of what knowledge is and can be.“ Lorraine Daston: „Scientific Error and the Ethos of Belief“, S. 6.

In diesem Kapitel werden die Grundlagen der von Wundt verkündeten „neuen Wissenschaft“, die ihren Anfang ausgehend von Philosophie und Physiologie nahm, dargelegt. Im Zuge dessen ist zu fragen, inwiefern sein Programm sich an dem Ideal der mechanischen Objektivität orientierte. Dies lässt sich im Hinblick auf Wundts Entwurf wissenschaftlicher Selbstbeobachtung und deren Durchführung im Experiment untersuchen. Es wird einerseits zu zeigen sein, welche subjektiven Fallstricke Wundt derart zu umgehen dachte und andererseits, welchen Beschränkungen die Selbstbeobachtung im Experiment aufgrund ihres ausübenden Subjekts unterliegen musste. Abschließend soll die enge Verbindung von Theorie und experimenteller Praxis im Experimentalsystem des Leipziger Professors expliziert werden. Eine elaborierte Erkenntnistheorie wie auch die Theorie eines genuin psychischen Subjekts lagen Wundts Labortätigkeit zugrunde. Die experimentellen Subjekte in Kapitel 3 lassen sich ohne diese theoretischen Annahmen nicht sinnvoll betrachten.

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