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Aufklärung als Weltprojekt

Zu ihrer Phänomenologie, Geschichte und Geographie

Hans-Otto Dill

Der Autor verwendet «Aufklärung» statt als Epochenbegriff des 18. Jahrhunderts als menschlichen Subjektwerdungsprozess, nicht als Philosophie, sondern als praktisch-lebensweltliche Bewegung mit den Zielen Herrschaft der Vernunft, Toleranz, Rationalität, Gleichheit, Freiheit und Bürgerrechte. Er beschreibt Aufklärung nicht nur als Zeitverlauf, sondern als räumliche Erstreckung über West- und Mitteleuropa hinaus auf Balkan, Apennin und Pyrenäen sowie auf Nord- und Südamerika, also auf die okzidentalen bzw. semiokzidentalen Teile der Erdkugel. Aufklärung wird so zum globalisierenden Weltphänomen, dem Dill die Begriffe «Menschheit» und «Menschenrechte» zuordnet, womit aus nationalen bzw. historischen oder lokalen Identitäten eine universale, gesamtmenschheitliche Identität erwächst.
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Schlussbemerkung

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Adorno, Horkheimer, Barthes, Eco, Postman und MacLuhan sind die Aufklärer der Moderne, die Fortsetzer von Holbach, Friedrich II., Bayle, Diderot, Raynal, Campe und Humboldt im 20. Jahrhundert. Auch viele ihrer Themen wie Krieg, Toleranz, Kolonialismus, Gleichheit, Freiheit, Gesellschaftsvertrag, Demokratie, Bürger- und Menschenrechte und Fortschritt – des nicht nur technischen, sondern vor allem auch kulturellen, moralischen sowie sozialen Fortschritts sind immer aktuell und müssen daher von jeder Generation neu erarbeitet werden. Man staunt, wie sehr die von den klassischen Aufklärern des 18. Jahrhunderts, von Diderot, Voltaire, Herder und Kant aufgegriffenen Themen bei den Neo-Aufklärern des 20. Jahrhunderts wieder als ungeklärte Probleme auftauchen und im 21. Jahrhundert immer noch nicht abgearbeitet sind. Das beweist die Modernität und Aktualität der Aufklärung und widerlegt die modische Meinung vom Überholtsein dieser aus dem 18. Jahrhundert stammenden Bewegung. Die Aufklärung sollte im Rahmen der Globalisierungen ihres okzidentalen Privilegs endgültig entbunden und als Weltprojekt auf die ganze Welt ausgedehnt werden. Damit könnten die immer noch nach 200 Jahren existierenden Hierarchien zwischen dem Westen und dem Rest der Erde in solche der Gleichheit und Gleichberechtigung umgewandelt werden. Auch sollte die Vernunft als übergreifender Begriff des Ideariums der Aufklärung, als kommunikative und kollektive Arbeit des gesunden Menschenverstandes verstanden und auf Dauer unter den Menschen als eine anthropologische Instanz durchgesetzt werden. ← 303 | 304 → ← 304 | 305 →

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