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Aufklärung als Weltprojekt

Zu ihrer Phänomenologie, Geschichte und Geographie

Hans-Otto Dill

Der Autor verwendet «Aufklärung» statt als Epochenbegriff des 18. Jahrhunderts als menschlichen Subjektwerdungsprozess, nicht als Philosophie, sondern als praktisch-lebensweltliche Bewegung mit den Zielen Herrschaft der Vernunft, Toleranz, Rationalität, Gleichheit, Freiheit und Bürgerrechte. Er beschreibt Aufklärung nicht nur als Zeitverlauf, sondern als räumliche Erstreckung über West- und Mitteleuropa hinaus auf Balkan, Apennin und Pyrenäen sowie auf Nord- und Südamerika, also auf die okzidentalen bzw. semiokzidentalen Teile der Erdkugel. Aufklärung wird so zum globalisierenden Weltphänomen, dem Dill die Begriffe «Menschheit» und «Menschenrechte» zuordnet, womit aus nationalen bzw. historischen oder lokalen Identitäten eine universale, gesamtmenschheitliche Identität erwächst.
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Zweiter Teil: Aufklärung als globale räumliche Erstreckung

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Zweiter Teil

Aufklärung als globale räumliche Erstreckung

Orte und Wege

Die Aufklärung war keine Lehre, sondern eine Bewegung und entwickelte sich wie alle Bewegungen in der Zeit. Sie ist insofern ein unendlicher Prozess. Der Begriff des Fortschritts, den sie prägt – ebenfalls ein Begriff der Zeitlichkeit – bezieht sich auch auf sie selber. Sie ist immer wieder gefordert, weil neue Fortschrittshemmer durch den Fortschritt selbst erzeugt werden, die sie überwinden muss, wodurch sie sich weiter entwickeln, neue Wirkungsfelder und Begründungszusammenhänge erschließen muss, die sie auf ihrem Weg der steten Erneuerung der Vernunft vorantreibt.

Zugleich aber ist die Aufklärung entsprechend den Kantschen apriorischen Kategorien des Denkens nicht nur ein Verlauf in der Zeit, sondern ebenso eine bislang nicht weiter untersuchte, ja nicht einmal als solche wahrgenommene Erstreckung im Raum, eine Ausbreitung auf der Erdkugel unter den diese bewohnenden Menschen. Diese tendenzielle Aufklärung der ganzen Erdpopulation schließt die außereuropäische Welt notwendig mit ein.

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