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Norm als Zwang, Pflicht und Traum

Normierende versus individualisierende Bestrebungen in der Medizin – Festschrift zum 60. Geburtstag von Heinz-Peter Schmiedebach

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Eva Brinkschulte and Mariacarla Gadebusch Bondio

Erklärte Ziele der Medizin sind Wiederherstellung, Erhaltung sowie Förderung der psychischen und physischen Gesundheit. Dabei wird in der alltäglichen Praxis oft die Grenzziehung zwischen dem «Normalen» und dem «Pathologischen» unreflektiert vorgenommen. Der Band ist der interdisziplinären Aufarbeitung von medizinischen Normierungsdiskursen und -praktiken vom 19. bis 21. Jahrhundert gewidmet. In den Beiträgen werden die Bestrebungen, normale bzw. durchschnittliche medizinische Werte zu definieren, ausgelotet: Von der gesundheitspolitischen Normierung der Gesundheit bis zu den Visionen einer anzustrebenden gesunden «Normalität», deren Grenzen heute durch die Optimierungspraktiken der wunscherfüllenden Medizin verwischt sind.
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Moderiert von Eva Brinkschulte und Mariacarla Gadebusch Bondio

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Gerhard Baader, Johanna Bleker, Heinz Schott, Richard Töllner und Heinz-Peter Schmiedebach

Eva Brinkschulte: Wir haben zur Podiumsdiskussion mehrere Fachvertreter und eine Fachvertreterin geladen, auch im Hinblick darauf, dass wir mit dem Thema des Symposiums „Norm als Pflicht, Zwang und Traum“, nur einen Teil des Arbeitsspektrums von Heinz-Peter Schmiedebach abbilden können. Ein Schwerpunkt, den wir in dieser Diskussion noch einmal aufgreifen wollen, ist Medizin im Nationalsozialismus. Ich habe dabei an zwei bedeutsame Publikationen gedacht. Die erste ist Medizin und Nationalsozialismus, die aus einer Veranstaltung auf dem Gesundheitstag, der 1980 in Berlin stattfand, hervorgegangen ist und die von Gerhard Baader mit herausgegeben wurde. In dieser hast Du, Peter [Schmiedebach], einen Deiner ersten Beiträge zur Ärztlichen Standeslehre und Standsethik publiziert.1 Wenige Jahre später hat das Buch Medizin und Krieg – von Johanna Bleker und von Dir herausgegeben – eine ganz ähnliche Breitenwirkung gehabt.2 In beiden Büchern werden Fragestellungen thematisiert, die eine Kontinuität bis auf den heutigen Tag vorweisen, denkt man beispielsweise an die NS-Vergangenheit, die derzeit von einer Reihe von medizinischen Fachgesellschaften aufgearbeitet wird. Ich nenne hier nur die Initiative ← 197 | 198 → der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die beiden erwähnten Publikationen, insbesondere Medizin und Krieg, entstanden in einer Zeit, in der die IPPNW [International Physicians for the Prevention of Nuclear War] gerade den Friedensnobelpreis bekommen hatte (1985). Hier wurden kritische Fragen zum medizinischen Handeln aufgeworfen und auch der Versuch unternommen eine Selbstreflektion anzustoßen. Das liegt nun schon...

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