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Das Gymnasium der Migrationsgesellschaft

Deutschförderung für mehrsprachige Schüler zwischen Zweit- und Bildungssprache

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Gerald Fischer

Spätestens seit der Jahrtausendwende befindet sich das Gymnasium in einer krisenhaften Umbruchphase. Gerald Fischer beleuchtet eine bislang vernachlässigte Facette jenes Wandlungsprozesses, nämlich den wachsenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Schulalltag des Gymnasiums? Welche Besonderheiten gymnasialen Unterrichts erklären den geringeren Bildungserfolg mehrsprachiger Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache? Wie muss ein Förderkonzept aussehen, das die Erwerbsbedingungen von Deutsch als Zweitsprache berücksichtigt? Auf diese Fragen gibt das Buch u. a. anhand von Sonderauswertungen amtlicher Statistiken und Jahrgangsstufenarbeiten, sowie eigener Sprachstandserhebungen und Expertenbefragungen Antworten.
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1. Ziel und Aufbau der Arbeit

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Als die deutsche U21-Fußballnationalmannschaft 2009 in Schweden den EM-Titel gewann, besaßen elf der 23 Nachwuchsspieler einen sogenannten Migrationshintergrund.2 Die Berichterstattung darüber erregte großes Aufsehen, stand sie doch im deutlichen Kontrast zu der ansonsten üblichen Darstellung des Themas „Migration“ in der Öffentlichkeit, die bis dahin zumeist von negativ besetzten Schlagwörtern wie z.B. Moscheenstreit, Kopftuchverbot, Zwangsehen, Ausländerkriminalität oder Parallelgesellschaften beherrscht wurde. Als Folge einer massenmedial derart gefilterten Wahrnehmung empfanden bislang viele alteingesessene Deutsche Zuwanderung in erster Linie als Bedrohung für das gesamtgesellschaftliche Gefüge. Dementsprechend passen jubelnde Spieler mit internationalen Wurzeln, die für Deutschland Titel holen und auf die man stolz sein kann, nicht zum gängigen Klischee vom „integrationsunwilligen Verlierertypen“. Stattdessen ist auf einmal von der „Kraft des kulturellen Kollektivs“ und der „Multi-Kulti-Normalität“3 die Rede. Dass Einwanderer auch in den Jahrzehnten zuvor schon erfolgreich in der deutschen Mittelschicht Fuß fassten, wurde lange Zeit weitgehend ignoriert. Sie stellen für die sozioökonomische und soziokulturelle Entwicklung Deutschlands immer noch ein „unterschätzte[s] Potenzial“4 dar. So betrachtet helfen Nachrichten über sportliche Erfolge, die längst überfällige Korrektur althergebrachter Vorurteile zu beschleunigen und ein differenzierteres Bild von „Gastarbeitern“, „Aussiedlern“ oder „Ausländern“ zu gewinnen.

Zugleich lenkt das Beispiel der jungen Europameister das Augenmerk auch auf eine der wichtigsten sozialpolitischen Herausforderungen der Gegenwart: die Frage der Integration verschiedener Zuwanderergruppen. Der „Melting Pot“ Fußballnationalmannschaft eröffnet in dieser Hinsicht eine optimistisch stimmende Perspektive, nämlich dass eine so zentrale...

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