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Das Gymnasium der Migrationsgesellschaft

Deutschförderung für mehrsprachige Schüler zwischen Zweit- und Bildungssprache

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Gerald Fischer

Spätestens seit der Jahrtausendwende befindet sich das Gymnasium in einer krisenhaften Umbruchphase. Gerald Fischer beleuchtet eine bislang vernachlässigte Facette jenes Wandlungsprozesses, nämlich den wachsenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Schulalltag des Gymnasiums? Welche Besonderheiten gymnasialen Unterrichts erklären den geringeren Bildungserfolg mehrsprachiger Schüler mit nichtdeutscher Erstsprache? Wie muss ein Förderkonzept aussehen, das die Erwerbsbedingungen von Deutsch als Zweitsprache berücksichtigt? Auf diese Fragen gibt das Buch u. a. anhand von Sonderauswertungen amtlicher Statistiken und Jahrgangsstufenarbeiten, sowie eigener Sprachstandserhebungen und Expertenbefragungen Antworten.
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3. Deutsch als Zweitsprache im Kontext gymnasialen Unterrichts

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„Du weißt doch, wie man in Ägypten sagt: Ein Mann ohne Sprache ist wie ein …“ „Kamel ohne Höcker – wertlos.“ (Jonas Hassen Khemiri)

Zu geringe Deutschkenntnisse bedeuten für Schüler mit Migrationshintergrund nicht nur eine hohe Sprachbarriere, die ihren Bildungserfolg am Gymnasium gefährdet. Langfristig können sie sich auch auf ihr Selbstwertgefühl auswirken, wie Jonas Hassen Khemiri anhand des jugendlichen Halim, des Protagonisten in seinem Roman „Das Kamel ohne Höcker“, verdeutlicht.330 Kapitel 2 hat den Begründungsrahmen aufgespannt, der auch am Gymnasium die zunehmende Bedeutsamkeit einer migrations- und schulartspezifischen Deutschförderung zeigt. Das folgende Kapitel ist nunmehr der Frage gewidmet, welche sprachlichen Bereiche mehrsprachigen Schülern im Vergleich zu ihren Mitschülern aus rein deutschsprachigen Elternhäusern besondere Schwierigkeiten bereiten. Auf diese Weise werden mögliche Förderschwerpunkte für die schulische Arbeit lokalisiert.

Das gymnasiale Unterrichtsgeschehen wird zunächst von zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven aus theoretisch beleuchtet: der Perspektive des Lerners und seines Zweitspracherwerbs (Kap. 3.1) und der Perspektive der gymnasialen Unterrichtssprache mit ihren besonderen Anforderungen (Kap. 3.2). Daran anschließend folgen empirische Untersuchungen in der 5. Jahrgangsstufe des Gymnasiums, um die Konsequenzen gymnasialen Sprachgebrauchs für Schüler mit nichtdeutscher Familiensprache zu erfassen (Kap. 3.3). Dieser Untersuchungsgegenstand gehört in das übergeordnete Arbeitsfeld des Zweitsprachenforschung, das mit den Ergebnissen internationaler Schulleistungsstudien und Deutschlands Neudefinition als Zuwanderungsland starken Auftrieb erhielt, aber trotz allem immer noch Schwierigkeiten damit hat, sich als eigenständige Fachdisziplin zu etablieren.331 Christian Fandrych u.a. ziehen daraus...

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