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Im Garten der Texte

Vorträge und Aufsätze zur italienischen Literatur

Series:

Hans Felten

Edited By Franziska Andraschik

Der vorliegende Band umfasst fünfzehn Arbeiten des Aachener Romanisten Hans Felten. Mit unterschiedlichen Fragestellungen und Methoden betrachtet er die italienische Literatur- und Kulturgeschichte. Das Spektrum reicht von der klassischen geistes- und theologiegeschichtlich orientierten Lectura Dantis über intertextuelle und metafiktionale Untersuchungen am Beispiel der Vita Alfieris, über Diskursanalysen von Da Pontes Don Giovanni und die lettura plurale eines Calvino-Textes bis hin zu intertextuellen Untersuchungen von Tabucchis Erzählungen und der Skizze einer lettura «gender» am Beispiel eines historischen Romans einer zeitgenössischen sizilianischen Autorin.
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Lectura Dantis: Paradiso I

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„Viel schlimmer aber war, wenn Dante zur Sprache kam […] ich sagte, […] ich habe nie begreifen können, wie man sich mit diesen Gedichten beschäftigen möge. Mir komme die Hölle ganz abscheulich vor, das Fegefeuer zweideutig und das Paradies langweilig.“ Was Goethe einst langweilig fand, was Benedetto Croce als Theologieroman, als „romanzo teologico“ abtat, was andere – auch im Widerspruch hierzu – als „christliches Heilsepos“ (Hugo Friedrich) rühmen und was wieder anderen – nicht aus theologischer, sondern mehr aus lebenspraktischer Sicht – als Fortführung einer Lebenslehre dünkt, die die Commedia bieten soll, nämlich „Antworten von überzeitlicher Gültigkeit auf Fragen der menschlichen Existenz schlechthin zu geben“ (August Buck), und was wiederum andere in Zusammenfassung romantischer Vorstellungen „als das einheitlich-gewaltigste poetische Gebäude unseres Weltalters“ bewerten (Erich Auerbach), zu so einem polyvalenten Text vor einem Publikum von Kennern zu sprechen und dazu einen zentralen Gesang aus einem solchen Werk interpretieren zu wollen, das ist ein kühnes und gefährliches Unterfangen. Und nähmen wir die mahnenden und warnenden Worte, die der Erzähler und Protagonist zu Beginn des zweiten Paradiso-Gesangs an seine Leser richtet, ernst, und verstünden wir sie im Literalsinn: „O voi che siete in piccioletta barca, desiderosi d’ascoltar, seguiti dietro al mio legno che cantando varca, tornate a riveder li vostri liti […]“, nähme man diese Mahnungen im Wortverstande, dann wäre unser Unternehmen, mit gering beladenem ‚Geisteskahn‘ dem mit der „Kultur von Jahrhunderten“ beladenem großen Boot Dantes folgen zu wollen, von...

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