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Im Garten der Texte

Vorträge und Aufsätze zur italienischen Literatur

Series:

Hans Felten

Edited By Franziska Andraschik

Der vorliegende Band umfasst fünfzehn Arbeiten des Aachener Romanisten Hans Felten. Mit unterschiedlichen Fragestellungen und Methoden betrachtet er die italienische Literatur- und Kulturgeschichte. Das Spektrum reicht von der klassischen geistes- und theologiegeschichtlich orientierten Lectura Dantis über intertextuelle und metafiktionale Untersuchungen am Beispiel der Vita Alfieris, über Diskursanalysen von Da Pontes Don Giovanni und die lettura plurale eines Calvino-Textes bis hin zu intertextuellen Untersuchungen von Tabucchis Erzählungen und der Skizze einer lettura «gender» am Beispiel eines historischen Romans einer zeitgenössischen sizilianischen Autorin.
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Italo Calvino: Il castello dei destini incrociati – Das Schloss, darin sich Schicksale kreuzen. Una lettura plurale

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Inmitten eines dichten Waldes – „in mezzo a un fitto bosco“ – steht irgendwo in Zeit und Raum ein Schloss, Herberge für alle, die sich im Wald verloren haben. Ein Ich-Erzähler reitet in den Burghof, erschöpft von all den Abenteuern, die ihm im Walde zugestoßen sind. Stallknechte nehmen ihm schweigend das Pferd ab, er tritt in den Speisesaal. Kein Gespräch verbindet die Anwesenden: Wirt, Personal, Gäste und der Ich-Erzähler selber sind sprachlos. Die gesprochene Sprache ist als Kommunikationssystem nicht mehr verfügbar, man greift statt ihrer zu den Karten des Tarockspiels. Mit Hilfe der Karten legt ein jeder sich und den anderen seine Geschichte vor. Gelegt werden sechs Hauptgeschichten und – gleichsam in einem Epilog – „tutte le altre storie“. Oder anders, und jetzt erzähltechnisch formuliert: Der Ich-Erzähler sucht aus Zahl- und Bildmaterial kohärente Erzählsequenzen zu rekonstruieren. In dieser Weise funktioniert das Erzählsystem für die Hauptgeschichten. „Tutte le altre storie“, alle anderen Geschichten, bleiben skizzierte Erzählmaterialien, werden also nicht zu kohärenten Erzählungen verdichtet. In dieser Weise lassen sich Argumentum, Erzählsituation und Erzählhaltung, wie sie sich im Castello dei destini incrociati finden, in aller Kürze vorstellen.1

Was soll der Literaturwissenschaftler mit einem solchen Text anfangen? Soll er zur Ausdeutung des Calvino-Textes nach einem Handbuch zum Tarock suchen und sich unter die Astrologen oder Wahrsager mischen? Das Tarockspiel, ein Kartenspiel bzw. Trumpfspiel ungewisser Herkunft, hat sich ja zum divinatorischen Spiel entwickelt, und vom...

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