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Gallienus

2., unveränderte Auflage

Michael Geiger

Gallienus herrschte auf dem Gipfel der «Krise des 3. Jahrhunderts». Eine Gesamtdarstellung aller Aspekte seiner Herrschaft stellt ein Desiderat der Forschung dar. Der Autor versucht dies unter Auswertung v. a. literarischer, numismatischer und epigraphischer Quellen. Zu umstrittenen chronologischen Fragen wird Stellung genommen. Unter Gallienus kam es zu wichtigen Weichenstellungen im militärisch-administrativen Bereich sowie auf dem Gebiet der Herrschaftsdarstellung. Dieser Kaiser ließ viele originelle Münztypen prägen und glich sich dabei verschiedenen Gottheiten an. Das Christentum erfuhr unter Gallienus erstmals offizielle Anerkennung. Somit hatte Gallienus an einem wichtigen Punkt der Römischen Geschichte eine Verbindungsfunktion inne.
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6 Die Entwicklung des Kaiserporträts unter Gallienus

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In der Mitte des dritten Jahrhunderts wurden die Porträts immer stärker stilisiert. Diese Entwicklung hatte am Ende des zweiten Jahrhunderts mit Commodus allmählich eingesetzt.1373 Die Antoninen und Septimius Severus und teilweise auch noch Caracalla verwendeten im Gegensatz dazu einen klassizistischen Porträtstil ohne Herrscherposen und ohne erkennbaren kämpferischen Anstrich mit langen Haaren und voluminösem Bart.1374

Die Kaiserporträts behielten aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen im Rahmen des Kaiserkults auch jetzt ihre religiöse und darstellerische Bedeutung bei.1375 Sie hatten neben staatsrechtlichen Funktionen wie die Münzen vor allem die Rolle eines Kommunikationsmittels des Kaisers gegenüber den Reichsbewohnern. Grundsätzlich gaben der Kaiser und seine Vertrauten die offiziellen kaiserlichen Bildnistypen vor beziehungsweise sie autorisierten Entwürfe. Musterköpfe wurden in Rom hergestellt und an alle relevanten Orte (Statthalterresidenzen, Legionslager) geschickt. So konnte das Bild des Herrschers der Bevölkerung vermittelt werden.1376 Dessen Bild war für den Vollzug des Kaiserkults, für programmatische Aussagen und für die Bekanntmachung des Aussehens des Herrschers wichtig.

Bereits Caracalla wurde teilweise mit einem typischen Soldatenkaiserbildnis dargestellt, bei dem eine Tendenz zur naturalistischen Darstellung vorherrschte, klassizistische Elemente aber nicht völlig unterdrückt wurden. Auf seinen Porträts wurden auf stilisierte Weise allmählich kurz geschorenes Haar, Alterszüge, ein häufig finsterer Blick, Soldatenkleidung und eine Mimik, der Anspannung, Anstrengung, Erfahrung, Leistung und Tatkraft anzusehen sind, vorherrschend.1377

Bei den Nachfolgern Caracallas bestand aber trotzdem weiterhin die Möglichkeit unterschiedlicher Ausdrucksweisen: Weiche Z...

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