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Kulturpolitik als Strukturpolitik?

Konzepte und Strategien deutscher und italienischer Kulturpolitik im Vergleich

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Claudia Burkhard

Kann Kulturpolitik als Strukturpolitik wirksam werden? Welche Kulturbegriffe liegen der deutschen und italienischen Kulturpolitik zugrunde? Wie wirken sich die historischen, strukturellen und finanziellen Ausgangsbedingungen für Kulturpolitik auf die konkreten Aktivitäten der verschiedenen Regierungsebenen in Deutschland und Italien aus? Diesen Fragen geht die Autorin in ihrer komparatistisch angelegten Studie nach. Zudem bietet sie umfassende Einblicke in die aktuelle Kulturpolitik beider Länder: Mit Hilfe der empirischen Methode leitfadengestützter ExpertInneninterviews analysiert sie anhand konkreter Fallstudien zu Essen/Nordrhein-Westfalen und Turin/Piemont die kulturpolitischen Konzepte, Strategien und Zielsetzungen der kommunalen sowie regionalen Ebene in Deutschland und Italien.
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2. Der Kulturbegriff in der deutschen und italienischen Kulturpolitik

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2.1 Kultur für alle? — Kulturbegriff(e) der deutschen Kulturpolitik

Die Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann und Dieter Kramer konstatieren 1990 ein sehr unspezifisches Verständnis der deutschen KulturpolitikerInnen in Bezug auf ihren eigenen Begriff von Kultur. Die Autoren mahnen deshalb ein intensiviertes Nachdenken über den Kulturbegriff in der Kulturpolitik an und fordern, dass dieser „nicht unverbunden neben der gleichzeitigen ideengeschichtlichen und wissenschaftlichen Reflexion über Kultur“ stehen dürfe sowie „eine Beziehung zu den aktuellen Bewegungen des kulturellen Lebens herstellen und die entsprechenden Diskurse abdecken“190 müsse. Darüber hinaus dringen sie auf die Politikfähigkeit dieses Kulturbegriffs, d.h. dieser habe sich der Konkurrenz unterschiedlicher Zukunftsoptionen zu stellen, die auch in der Kulturpolitik anzutreffen sind. Ein so konturierter Kulturbegriff sollte zudem in der Lage sein, „Hochkultur“ und „Soziokultur“ zu vereinen, dürfe jedoch gleichzeitig „Kultur nicht zu einem allumfassenden konturlosen Summen-Begriff werden“191 lassen. Ganz entscheidend ist auch, dass der Kulturbegriff stets die Prozessualität von Kultur berücksichtigt und folglich eine ständige Rückkopplung zur Realität erfährt.192

Ähnlich argumentiert Klein, der Kulturpolitik seit den 1990er Jahren in einer völlig veränderten Konstellation sieht: Er erkennt eine „Pluralisierung der kulturpolitischen Entwürfe“193 und sieht angesichts des Schrumpfens öffentlicher Kulturausgaben die Gefahr neuer Verteilungskämpfe. Insbesondere erwachse der Kulturverwaltung aber mit dem „Kulturbetrieb“194 ein neuer Partner bzw. ← 65 | 66 → Konkurrent, den es in aktuelle Konzepte der Kulturpolitik bzw. einen handhabbaren Kulturbegriff zu integrieren gelte. Klein schließt aus dieser Einsch...

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