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Die Schwedischen Ballette – Les Ballets Suédois

Getanzte Visionen im Paris der 1920er Jahre

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Karin Dietrich

Die Ballets Suédois, die Schwedischen Ballette, die das Paris der «Années folles» zum Experimentierfeld der Künste machten und die Russischen Ballette für kurze Zeit mit ihren innovativen Tanzprojekten in den Schatten stellten, sind heute immer noch wenig bekannt, gelten aber als große Wegbereiter des modernen Tanztheaters. Karin Dietrich fächert die Entwicklung der Truppe vor dem Hintergrund ihres Zeitgeschehens auf, stellt das Repertoire und seine ästhetische Verortung vor und betrachtet exemplarisch einzelne Werke. Sie nähert sich so der Frage, was für die Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die große Faszination der Gattung Ballett ausmachte, und wie es dazu kam, dass sich eine schwedische Balletttruppe Paris als Ausgangspunkt für ihr Unternehmen wählte.
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I. Die Geschichte der Ballets Suédois

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Vor 1920: Idee und Entstehung der Ballets Suédois

„Cette troupe était pour moi une vraie trouvaille.“

Michel Fokine21

Michel Fokines Handschrift

1911 engagierte die Königliche Oper Stockholm den renommierten Michel Fokine (1880–1942) als Gast-Choreografen, was für den gänzlich traditionell ausgerichteten Betrieb eines Opernballetts ein enormes Wagnis darstellte, denn Fokine zeichnete seit 1909 mit Sergej Diaghilew für die Erfolge der Ballets Russes in Paris verantwortlich22. Fokine fand im Stockholmer Corps de Ballet ein junges, ehrgeiziges Ensemble, das im klassischen französischen Tanz geschult war und technisch auf hohem Niveau tanzte. Allerdings konnte das Ensemble sein Können selten in eigenen Produktionen zeigen und war hauptsächlich in Operneinlagen beschäftigt. Die einzige Funktion des Balletts war die „eines Zusatzes zur Oper“.23

Fokine erkannte das Potenzial, weckte die Tänzer aus ihrem „nordischen Schlummer“24 und schulte sie im dramatischen, freien Stil, den er unter dem Einfluss der Ästhetik des modernen Ausdruckstanzes der Amerikanerin Isadora Duncan25 entwickelt und in seinen „fünf Prinzipien“ in einem Brief an die London Times vom 6. Juli 1914 dargelegt hatte. Fokine wagte den Bruch mit dem klassischen Akademismus: Sein Tanz sah – vereinfacht gesprochen – von der absoluten Einheit von Melodie und Bewegung ab und wertete das rhythmische Element auf. Das klassische Corps de Ballet im Sinne eines geschlossenen ← 7 | 8 → Ensembles weichte immer mehr auf. Das führte schließlich unter anderem zum Vorwurf der Klassizisten an Fokine,...

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