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Die Schwedischen Ballette – Les Ballets Suédois

Getanzte Visionen im Paris der 1920er Jahre

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Karin Dietrich

Die Ballets Suédois, die Schwedischen Ballette, die das Paris der «Années folles» zum Experimentierfeld der Künste machten und die Russischen Ballette für kurze Zeit mit ihren innovativen Tanzprojekten in den Schatten stellten, sind heute immer noch wenig bekannt, gelten aber als große Wegbereiter des modernen Tanztheaters. Karin Dietrich fächert die Entwicklung der Truppe vor dem Hintergrund ihres Zeitgeschehens auf, stellt das Repertoire und seine ästhetische Verortung vor und betrachtet exemplarisch einzelne Werke. Sie nähert sich so der Frage, was für die Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die große Faszination der Gattung Ballett ausmachte, und wie es dazu kam, dass sich eine schwedische Balletttruppe Paris als Ausgangspunkt für ihr Unternehmen wählte.
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Schluss

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Die Ballets Suédois waren nicht nur ein Konkurrenzunternehmen zu den Ballets Russes, sie waren wie sie eine entscheidende Markierung auf dem Weg des Balletts, des Theaters und der Performance-Kunst im 20. Jahrhundert. Die Idee, eine neue Form von Spektakel zu begründen, ein totales Theater, in das verschiedenste Strömungen einfließen und in dem alle theatralische Mittel Synergien eingehen konnten, kennzeichnete die Werke dieser außergewöhnlichen Kompanie. Der Hauptakzent in der künstlerischen Produktion der Ballets Suédois lag auf dem innovatorischen Moment, der Bestrebung, eine „Theaterkunst“ zu schaffen, „die mit jedem neuen Werk überlieferte Ausdrucks- und Darstellungsformen sprengt“, schreibt Elke Seipp1215. Die Leitlinien „Provokation, Innovation und Revolution“1216 prägten das Erscheinungsbild der Ballets Suédois und wurden später – nach dem Zweiten Weltkrieg – zum Motto für eine Avantgarde, die in erstaunlich vielen Punkten an die experimentierfreudige, turbulente Zeit zwischen den Kriegen anknüpfte und angerissene Themen zu Ende dachte. So florierte der Film, auch als integrativer Bestandteil von Bühnenaufführungen, und die Idee der Performance, wie sie bei den Ballets Suédois in Relâche zum Experiment wurde, entwickelte sich. Während in den 1920er Jahren allerdings noch vieles spielerisch wirkte, wurden ab den 1930er Jahren bereits Umbrüche sichtbar1217 und nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Unbeschwertheit, die noch die „Annés folles“ dominiert hatte, weitgehend verloren.

Innerhalb des Repertoires der Ballets Suédois wurden drei Ballette zu Schlüsselwerken, die entscheidende Schritte auf dem Gebiet der Theaterreform...

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